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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A

 

 

 

 
Konrad von Würzburg
Lieder
 


 






 




L i e d e r


4

Manger wunne bilde
geschephet hât
meie mit der künfte sîn.
seht wie daz gevilde
5
geblüemet stât!
ez gît phellelvarwen schîn,
dâbî cleidet sich der walt:
der hât der loube ein wunder;
süezen sanc darunder
10
vil manecvalt
singent wol diu vogelîn.
       Sumerzit
       fröude gît
       unde wünneclichen rât:
15
       hei waz er nu fröuden hât
       der liebe nâhe lît!

Meie trûren crenket;
ûf rîchen lôn
dienet im berg unde tal.
20
ûz der blüete clenket
vil süezen dôn
manec wildiu nahtegal.
blâwen vîol, grüenen clê,
die gelwen zîtelôsen
25
unde rôte rôsen
vil schône als ê
siht man springen überal.
       Sumerzit
       fröude gît
30
       unde wünneclichen rât:
       hei waz er nu fröuden hât
       der liebe nâhe lît!

Wol im der nu minnet
ein sælec wîp!
35
bî sô manger wunne guot
fröuden vil gewinnet
sîn werder lîp:
liep nu wol dem herzen tuot.
swâ den ougen liehten schîn
40
die blüenden boume bringent
und den ôren singent
diu vogellîn.
dâ fröut minne mannes muot.
       Sumerzit
45
       fröude gît
       unde wünneclichen rât:
       hei waz er nu fröuden hât
       der liebe nâhe lît!


13

Jârlanc vrîjet sich diu grüene linde
loubes unde blüete   guot;
wunder güete   bluot   des meien ê der werlte bar.
gerner ich dur liehte bluomen linde
5
hiure in touwes flüete   wuot,
danne ich wüete   fluot   des rîfen nû mit füezen bar.
mir tuont wê die küelen scharphen winde.
swint,   vertânez winterleit!
durch daz mînem muote sorge swinde.
10
wint   mîn herze ie kûme leit,
wande er kleiner vogellîne fröude nider leit.

Owê daz diu liebe mir niht dicke
heilet mîner wunden   funt!
ich bin funden   wunt   von ir: nu mache si mich heil.
15
sendez trûren lanc breit unde dicke
wirt mir zallen stunden   kunt:
wil mir kunden   stunt   gelückes, sô vind ich daz heil,
daz si mich in spilnde fröude cleidet.
leit   an mir niht lange wert:
20
ir gewant <mir> ungemüete leidet.
cleit   nie wart sô rehte wert
sô diu wât der mich diu herzeliebe danne wert.

Werlt, wilt dû nu zieren dich vil schône,
sô gib dînen kinden   wint,
25
der niht winden   kint   zunêren müge: dêst mîn rât.
swer mit stæte diene dir, des schône;
hilf im sorge binden.   vint
die dich vinden;   bint   si zuo dir, gib in hordes rât,
reiniu wîp: den rât mein ich ze guote.
30
muot   und zuht ist in gewant:
swen si cleident mit ir reinen muote,
guot   und edel daz gewant
ist, darumbe ich ûz ir dienste mich noch nie gewant.


20

Tou mit vollen   aber triufet
   ûf die rôsen   âne tuft,
ûzer bollen   schône sliufet
   manger lôsen   blüete kluft.
5
darîn senkent   sich diu vogellîn,
   diu gedœne   lûte erklenkent,
   daz vil schœne   kan gesîn.

Bî der wunne   wol mit êren
   sol sich kleiden   mannes lîp,
10
daz im künne   fröude mêren
   ein bescheiden   saelic wîp.
swer verschulden   wîbes minne sol,
   der muoz ringen   nâch ir hulden
   mit vil dingen   tugende vol.

15
Swer mit sinne   valsch kan üeben
   als ein dieplich   nâchgebûr,
der wil minne   sô betrüeben,
   daz ir lieplich   lôn wirt sûr:
man sol zwischen   minne mit genuht
20
   triuwe in glanzer   staete mischen:
   daz birt ganzer   fröuden fruht.


21

Jârlanc von dem kalten snê
valwent bluomen unde clê,
mê   siht man grüenes loubes in dem walde niht.
schouwent, wie der anger stê
5
jâmerlichen aber als ê;
wê   manigem cleinen vogellîn dâvon geschiht.
manecvalter sorgen schar
twinget das gevilde;
wilde   rôsen liehtgevar
10
sint verswunden alzegar;
bar   wünneclicher blüete man die boume siht.

Swer bî liebe svnder nît
dise lange winterzît
lît,   der vergizzet wol der sumerlichen tage,
15
wande im âne widerstrît
minne hôchgemüete wît
gît,   unde machet ringe sînes herzen clage.
wîbes minne mêret baz
fröude sendem manne,
20
danne   clê von touwe naz.
wissent sunder allen haz,
daz   wîbes minne kumber unde leit verjage.

Wîp sint guot für ungemach,
wîbes trôst ie sorge brach,
25
swach   unde cleine machet trûren wîbes lîp.
wîp sint lieber dinge ein dach,
daz man liebers nie gesach:
ach   got, wie sælec sint diu minneclichen wîp!
wîplich güete sanfte tuot;
30
man sol goute frouwen
schouwen   für des meien bluot;
wîp sint guotes überguot:
muot   reiner wîbe mac wol heizen leitvertrîp.


26

Gar   bar   lît   wît   walt,
kalt   snê   wê   tuot:   gluot   sî   bî   mir.
gras   was   ê,   clê   spranc
blanc,   bluot   guot   schein:   ein   hac   pflac   ir.
5
schœne   dœne   clungen   jungen   liuten,
triuten   inne   minne   mêrte:
sunder   wunder-   bære   swære   wilden
bilden   heide   weide   rêrte,
dô   frô   sâzen   die,
10
der   ger   lâzen   spil   wil   hie.

Trût   brût,   sich   mich   an!
man   hât   rât   dâ   swâ   dû   nû   bist.
dîn   schîn   wît   gît   muot
guot   dem   swem   sîn   pîn   arc   starc   ist.
15
süeze,   büeze   trûren!   sûren   smerzen
<herzen>   reine   cleine   mache!


27

Jârlanc wil diu linde  von winde  sich velwen,
   diu sich vor dem walde  ze balde  kan selwen.
trûren ûf der heide  mit leide  man üebet:
   sus hât mir diu minne  die sinne  betrüebet.

5
Mich hânt sende wunden  gebunden  ze sorgen:
   diu muoz ich von schulden  nu dulden  verborgen.
diu mit spilnden ougen  vil tougen  mich sêret,
   diu hât mîn leit niuwe  mit riuwe  gemêret.

Gnâde, frouwe, reine!  du meine  mich armen!
10
   lâ dich mînen smerzen  von herzen  erbarmen!
mîn gemüete enbinde  geswinde  von leide
   ûz der minne fiure  dîn stiure  mich scheide!


30

Swâ   tac  er-  schînen  sol  zwein  liuten,
die  ver-  borgen  inne  liebe  stunde  müezen  tragen,
dâ  mac  ver-  swînen  wol  ein  triuten:
nie  der  morgen  minne-  diebe  kunde  büezen  klagen.
5
er  lêret  ougen  weinen  trîben;
sinnen  wil  er  wünne  selten  borgen.
swer  mêret  tougen  reinen  wiben
minnen  spil,  der  künne  schelten  morgen.
 
 
 
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