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B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  Paul Rebhun
um 1500 - 1546

 
 
   
   



T e s t i m o n i u m
d e s   W o l f f   M i c h a e l

Stadtschreiber zu Oelsnitz,
im Oelsnitzer Stadt-Protokoll
1546


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Herr Paulus Rebhun, ist gantz sorglich gewesen, sein Ampt zum trewlichsten zu verwalten, damit seine eingepfarrte Kinder in Christlicher Lehr, zu dem die Jugend im Catechismo zuziehen, und alle Menschen zur Besserung gereitzet;

      Ist in solcher seiner Mühe, und sonderlich einsmahls in einer Freytags-Predigt früh, als der Unfleiß der Zuhörer, als die gröbste und gröste Verachtung göttliches Worts, gesehen und vermercket, aus schrecklicher entsetzung darob so krank worden, daß er sich Bettrise geleget hat, da er etlich Wochen beschwehrlich gelegen, hat er vielmals etliche vom Rath, und sonderlich, ohngefehrlich vier Tage vor seinem Absterben, Bürgermeister und die Eltisten des Raths, fordern lassen, dazumal, wie schwach er gewest, hat er die allerschönsten Red und Biblischen Sprüche aus der heiligen Schrifft, herfürgezogen, damit uns Warnung und Trost gegeben, was an reiner Lehr des heiligen Evangelii gelegen, und wo das nicht gepredigt, was für Schaden und Verderben, an Leib und Seel, daraus entstehe: Sonderlich aber umb GOttes willen gebeten, dieweil er sich zu sterben fühlete, wir wollen uns ja, mit annemung eines andern Pfarrers, fleissig fürsehen, damit nicht, was er gebawet, ein anderer zubreche, und zuwider Gottes Ehre, nichtige, weren dieselben Schwermer aus seiner Lehre und Predigt, die er uns etliche Jahr trewlich vorgetragen (so weit wir die angenommen und vermercket hätten) wol zu erkennen, denn den Menschen hier auff diesem elenden Jammerthal, nichts nützlichers, denn reine gute Lehr, die köndte zum Erkentnüß Christi, und endlich zur ewigen Selichkeit bringen, da hingegen dis zeitliche hinfellige Gut, und aller Pracht der Welt, nicht eines Splitters werth zu achten.

      In summa, dieser trewe Gottes-Mann hats in seinem Leben, und jetzo, wie er sterben sollen, trewlich und wol gemeinet, Denn seine Lehr durchaus Evangelisch und Apostolisch, und sein Leben ein Englisch Leben gewest, denn er aller Untugend, fressens, sauffens, spielens, und der Unzucht feind gewest, und so ein arbeitsamer mühseliger Mann, daß ihn gedauchte, wenn er eine Stund, Viertel oder halbe müßig, er hette es bey Gott grosse Sünde: Und für seine Erquickung und Kurtzweil halt er, in Zeit seiner Vermögligkeit, das Examen seiner Pfarr-Kinder für, die er also einzehlich vor sich beschied, ihres Glaubens Rechnung annahm, und was sie nicht wusten, trewlich unterrichtete.

      Aber nicht ohne sonderliche Ursachen, zu besorgen, umb unserer Sünden willen, wie denn die Historien, und vieler Propheten Sterben bezeugen, ist er seliglichen hingenommen, und verschieden, und mit beklagung vieler seufftzen, weinen und trawren, vffm Kirchoff, dem Hospital, gantz herrlich zur Erden bestattet worden.

      Gott der Allmächtige genade seiner Seelen!


aus: Bibliothecae universalis volumen quartum; Oder: Des Thesauri Bibliothecalis Vierter Band. Norinbergae Apud Joh. Mich. Seitz & Christoph Conr. Zell. MDCCXXXIX, S. 164 f.
 
 
 
 
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