BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Konrad von Megenberg

1309 - 1374

 

 

Buch der Natur

 

I. Von dem Menschen

in seiner gemainen Natur.

 

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13.

Von der stimm.

 

Diu stimm ist ain behender luft, geslagen oder geprochen zwischen zwain herten leibhaftigen dingen, der ainz sleht und daz ander den slak aufhebt. dar umb gehœrnt dreu dinch zuo der stimm. von êrsten der luft und dar nâch zwai leibhaftigeu dinch, die hert sein; dar umb der wollen auf wollen slüeg, dâ würd kain stimm auz, si müezent auch geslagen werden auf ainander; dar umb wer ain hant gemach legt auf die andern, dâ wirt kain stimm auz. si müezent auch ain praiten haben; dar umb wer ain nâdelspitz auf die andern stiez, dâ würd kain stimm. zuo lustiger stimm gehœrt röscher luft, und dar umb wenn der luft fäuht ist, sô sprechent die orgeln und die saitenspil niht sô süezleich sam wenn daz weter haiter ist. auch wenn diu kindlein fäuht öpfel und pirn ezzent, sô hangt in diu zæheu fäuhten in den rœrn, dâ der luft innân gêt von der lungen in den hals, und dar umb sint si dann haiser. ez gehœrt auch zuo süezer stimm, daz daz leibig dinch eben sei an allen seinen stucken, daz sich der luft wider stôze. dar umb spricht ain rauheu videl niht sô wol sam ain wol palierteu fidel.

Die stimm sint zwaierlai: aineu ist hinlaufend, diu ander herwider­laufend. diu hinlaufend ist die von dem gestimten tier gêt hindan; diu widerlaufend die haizet ze latein echo, und geschiht wenn der gestimt luft sich widerstôzt an paumen oder an häusern, die in ainem tal derhœht sint und sô gelegen sint, daz si den gestimten luft ze samen haltent, daz er under der stimm form beleiben muoz. wann sô lauft er kreizesweise wider zuo dem tier, daz die êrsten stimm macht, und bringt im ain geleich stimm wider. alsô siht man diu kindleu schreien vor den wälden, wan die wænent, ain holtzman antwürt in auz dem wald. der stimm ietwedreu ist zwairlai: schreibleich und unschreiblich. diu schreibleich ist die man geschreiben mag und mit puochstaben gevazzen sam diu wort Ave Marîâ. diu unschreibleich stimm ist die man niht geschreiben mag, sam der wainenden läut stimm und sam der voglein und der tier stimm. des menschen stimm sterkt sich von dem vierzehenden jâr unz an daz alter; sô krenkt si sich dann. diu stimm an dem menschen hât des antlützes weis, wan als ie der mensch sein selbes antlütz hât und dem andern niht gar geleich ist, alsô hât ie der mensch sein aigen stimm.