B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Johans, der Jansen Enikel
um 1230/40 - nach 1300
     
   


W e l t c h r o n i k

S a u l ,   D a v i d ,   G o l i a t h

Verse 9397 - 10100

_____________________________________

 
 
    Dar nâch den êrsten künic got hiez
werden den er den juden liez
zuo einem künig bekant,
9400
der wart Saul genant.
der enpfie di êrsten wîch zwâr:
daz sag ich ân zwîfel gar,
daz Samuel der prophêt
zuo im grôz liebe hêt
9405
und wîht in mit dem öl guot,
als man hiut die künig tuot.
daz tet ein wîssag wol bekant,
der was Samuel genant;
der was got ein lieber man,
9410
für wâr ich daz gesagen kan.
der engel zuo dem selben sprach:
«dû solt wenden ungemach
under den juden allen:
lâ dir missevallen
9415
swâ die unreht leben
unde wider got streben.
sît ir ist aber worden vil,
ir unreht vor in niht enhil.
send ez ân widerstrît
9420
für got den lieben, des ist zît.
dar umb bin ich zuo dir gesant,
daz ich dir liut unde lant
enpfelhen sol an dirre stunt,
und tuo dir noch mêr êren kunt,
9425
daz dich der wîssag Samuel
wîhen sol drât und snel
mit dem öl der heilicheit;
dar zuo sol er dir sîn bereit.»
dô vie er Samuel bî der hant
9430
und fuort in dâ er Saulen vant
und gap im dô ein wisenthorn —
daz lie her Saul âne zorn —,
daz muost vol öles sîn.
«Saul, lieber friunt mîn,
9435
dâ wirst dû schôn gewîhet mit
zwâr nâch der künige sit,
di nâch dir künftic sint zwâr
in der jüdischen schar.»
Samuel wîht in zehant.
9440
er nam daz horn in die hant
und gôz ez ûf daz houbt schôn.
dar nâch sazt er im die krôn
ûf daz houbt, daz ist reht.
er gewan mangen kneht
9445
unde mangen dienær,
die im niht wârn unmær.

    Dar nâch er gewaltic wart.
sîn guot er nieman verspart.
er gabz durch êr und durch got
9450
und ahtet niht gotes gebot.
daz was der gotheit ungemach.
zuo einem engel si dô sprach:
«sag Saul, dem bœsen künig mîn,
daz er schier süll gescheiden sîn
9455
von dem künicrîche,
daz wizz sicherlîche,
umb sîn grôz bôsheit.
zwâr ez muoz im werden leit!»
der engel kom zuo im gegân.
9460
er sprach: «dû wunderbœser man,
wie hâst dû got der triuwen
gedankt — ez muoz dich riuwen! —,
daz er dich hiez wîhen schôn
und ûf setzen dir die krôn!
9465
wil dû im des niht danc sagen,
zwâr dû wirdest erslagen.
sô sint dîn tag ûz gezelt:
bî dînen tagen wirt erwelt
ein ander künic schône,
9470
der treit vor dir die krône.
er wirt gewîhet, daz ist reht,
und wirt geheizen gotes kneht
unde gotes künic zwâr;
dîn rîch wirt im gar.»
9475
der red aht Saul kleine.
sîn herz was unreine,
wan er hêt grôzen gewalt,
sîn drô was manicvalt.
daz macht dô sîn wertlîchez guot,
9480
daz er gewan starken übermuot.

    Dar nâch ein heiden kom gevarn,
allez bî den selben jârn.
mit einem grôzen her
was er gevarn an daz mer,
9485
wan er hêt des vesten muot,
daz er ez durch dhein guot
lieze, er tœtt di juden gemein,
wîp, man, grôz und klein.
dô des her Saul wart gewar,
9490
dar zogt er mit sîner schar
an daz wazzer gegen im.
er hêt des vil guoten sin,
daz er sich wolt der heiden wern
und wolt si mit kolben bern.
9495
dô die heiden sâhen
die juden zuo in gâhen,
do besaztens den vurt des wazzers dô,
daz si niht vorhten der juden drô.
alsô tâten die juden in.
9500
si hêten beid grôzen sin.
dô lagen diu her beide,
ieslîchez ûf der heide.
zwischen in ein wazzer ran.
diu her lâgen ûf dem plân.
9505
zesamen mohten si niht.
diu sæld hêt mit in beiden pfliht.
und wær des wazzers niht gewesen,
vil lützel wær ir dâ genesen;
der juden und der heiden,
9510
der wær vil gescheiden
von leben und von guot gar;
des nam ein engel vil wol war.

    Dar nâch in kurzen stunden
einen list heten si funden,
9515
die juden und die heiden,
daz si sich wolden scheiden
ân schaden und ân strît
an der selben zît.
der heiden künic sprach zehant:
9520
«wir ligen übel ûf dem sant,
daz wir niht vehten einen strît;
ez wær nû bêdenthalben zît.
wes süll wir hie vaulen?»
einen boten santens Saulen.
9525
er sprach: «sag dem künic hin,
daz er hab an mir gewin
und mich hie vertrîbe;
ungern ich hie belîbe.
des süll wir beid strît wegen
9530
mit swerten und mit kolbenslegen.»
der bot reit balde dan,
dâ er Saulen vant stân.
er sprach: «künic, dir tuot bekant
mîn herr ûz der heiden lant,
9535
wes er dâ sülle bîten,
daz ir niht wellet strîten
und in niht über lâzen welt?
ir habet doch mangen helt.»
Saul dô ûz zorn sprach,
9540
wan im diu red was ungemach:
«und hiet ich halp als grôzz her,
ich slüeg di heiden über mer,
des ich leider niht enhân;
dâ von ich im niht strîtes gan.
9545
sag im, zuo disen zîten
enmüg ich niht gestrîten.»

    Dâ mit reit der bot dan
und sagt dem heidenischen man —
vil reht er im die botschaft seit.
9550
daz wart dem heiden vil leit.
er sant nâch sînem râte,
daz was des nahtes spâte;
er sprach: «nû râtet all mîn man,
wie wir die juden grîfen an.
9555
die wellent hie niht strîten,
si wellent lenger bîten.
daz hât mir mîn bot geseit,
daz ist mir unmâzen leit.»
dô sprach ein heiden under in:
9560
«herr, vernemt mînen sin:
wir ligen hie niht wol,
daz velt ist allez mucken vol,
die wellent uns hie verderben,
ros und liut ersterben.»
9565
der künic dô ûz zorn sprach:
«wir lîden grôz ungemach;
daz wil ich zwâr understân.»
einen boten hiez er für sich gân.
«nû sag dem künig botschaft,
9570
sît er müg mit herschaft
mit mir niht gestrîten
unde gegen mir rîten,
daz er im kiese einen man,
der mit kampf gebâren kan
9575
und der wol sî ûz erwelt
und für einen helt gezelt.
des selben ich sin und muot hân.
ich wil welen einen man,
der mîn volc kunne bewarn
9580
vor den jüdischen scharn.
bot, dû solt im mêr sagen
und der wârheit niht verdagen,
ob im sîn got der êren gan,
daz er mir gesiget an — —
9585
des ich mînen got getrou niht,
wan der juden got ist enwiht;
Mahmet der lieb got mîn,
der muoz über di juden sîn
immer di wîl ich daz leben hân,
9590
wan ich im gesige an.»

    Der bot dô niht lenger beit,
zehant er von dannen reit.
an daz wazzer kom er geriten.
dô wart niht lenger gebiten,
9595
man fuort in über an den griez.
der selb bot des niht enliez,
ûf sîn ros er dô saz,
sîner botschaft er niht vergaz.
er begund vast gâhen,
9600
daz er begunde nâhen
dâ daz her gemein lac
und des der künic Saul pflac.
dô er daz her ane sach,
nû mûgt ir hœren, wie er sprach:
9605
«wer zeigt mir des küngs gezelt,
wâ ez geslagen sî ûf daz velt?»
die red erhôrt ein rennerlîn,
sîn tugent moht niht grœzer sîn.
er sprach: «wol dan mit mir!
9610
ich bring iuch vil schier
dâ ir vindet sitzen schôn
den künic Saul mit sîner krôn.»
der bot für den künic gie.
vil lieplîch er in enpfie.
9615
der bot sprach: «künic guot,
dû solt niht haben swæren muot.
swaz dir mîn herr enboten hât,
daz künd ich dir an diser stat.
er enbiutt dir sicherlîche,
9620
der werde künic rîche,
daz du einen man erkiesest schier.
daz selb wil er gegen dir
erkiesen, daz di zwên man
einen kampf vehten ân wân,
9625
und daz diu her ligen still;
daz selb ist mînes herren will.
swaz dîn will nû sî dar an,
daz selb solt dû in wizzen lân.
ich sag dir ân missetât,
9630
wie mîn herr gesprochen hât.
daz sol ich dir für legen,
dâ solt dû, herr, niht wider streben.
er spricht, welich kempf dem andern an
gesiget, daz im sî undertân
9635
daz selb her gemeine
ân der künic eine.
ist daz der will dîn?» sprach der bot.
«jâ,» sprach Saul, «sam mir got,
ich lâz mich niht betrâgen,
9640
mînen rât den wil ich frâgen.»
zehant her Saul sant drâte
nâch sînem næhsten râte
und sagt in diu mære,
wie im enboten wære.
9645
daz dûht si all guot getân.
«sît wir in niht ze strîten hân,
sô ist ez uns daz best,
wir gewinnen einen kempfen vest.
also jâhen si gemeine,
9650
grôz unde kleine.

    Dô der künic den rât
erhôrt, dô sant er drât
nâch dem boten, daz er quæm
unde sîn rede vernæm.
9655
dô er dô für in gie,
«dû solt dich niht sûmen hie,»
sprach der künic rîche;
«ich sag dir sicherlîche:
waz mir dîn herr enboten hât —
9660
daz ist mîn bet und mîn rât —,
ich wil mich dar an sûmen niht,
swaz halt mir dar umb geschiht.»
urloup er von dem künig nam,
als sînen zühten wol gezam.
9665
er kêrt dannen drâte,
er vorht, ez wurde spâte.

    Dô der heiden hêt vernomen,
daz der bot was komen,
dô sant der heiden drâte
9670
nâch sînem öbristen râte.
er sprach: «lieber rât mîn,
nû tuot an mir iur triuwe schîn,
wan ez mir engstlîchen stât.
ich fürht, wir verliesen drât
9675
beidiu lant, liut und guot,
dâ von ich hân trûrigen muot.»
dô sprach der werde rât sîn:
«nein, lieber herr mîn,
habet einen vesten muot.
9680
wir gewinnen iu ein kempfen guot,
der in wol mac gesigen an,
wil uns daz abgot bî gestân.
wir süllen nemen den risen guot,
sô wirt gefreuwet unser muot;
9685
Golyas ist er genant,
ze velde gar ein wîgant.
er ist sô starc und sô lanc,
und tuot er ieman einen swanc
mit sîner stangen îsnîn,
9690
dem gêt ez an daz leben sîn.
ez wart sô starc nie dhein man,
er möht im wol gesigen an.
des solt dû dich gehaben wol,
wan unser lîp wirt freuden vol.
9695
ein brünnen gît im diu frou mîn,
diu nimmer bezzer möht gesîn.
dar zuo hât er ein îsenhuot,
der ist von stahel alsô guot,
daz ûf ertrîch dhein man
9700
sô vestes huotes nie gewan.
dâ von sô lâ dîn sorgen,
dû wirdest gefreut morgen.»

    Dar nâch di künig beide
gâben triu und eide,
9705
daz si di kempfen beide
bræhten ûf die heide.
dô Golyas wart bereit
in harnasch und in wâpenkleit,
dannoch stuont Saul in trûren gar
9710
unde west ouch niht für wâr,
wer sîn kempf moht sîn.
er sprach: «vil lieber trehtîn,
got von himelrîche,
erbarm dich sicherlîche
9715
über die juden gemeine,
wan wir alterseine
dienen dîner gotheit.
dâ von sol dir wesen leit
swaz den juden wirret
9720
und si an freuden irret.»
er sprach: «lâ dich erbarmen
die rîchen und die armen;
des bitent dich die juden gemein,
beidiu grôz unde klein.»

9725
    Dô Saul alsô di gotheit bat,
dô hiez er an der selben stat
einen rüefer ûf stân
und ûf ein hœch für in gân.
der rüefer tet in dâ bekant,
9730
er sprach: «mîn herr iuch tiur mant,
ir helft im sîner êren,
ob sich diu müg gemêren,
wan des getrout er iu allen wol,
er werd von iu freuden vol.
9735
noch tuot er iu mêr bekant:
die heiden ûz der heiden lant,
die wellent einen kempfen hân;
sî ieman der den well bestân,
den wil mîn herr rîchen
9740
und wil im sicherlîchen
sîn tohter geben zehant
und gesiget er an dem wîgant.
des sweret er im mangen eit,
wan im wær von herzen leit,
9745
daz dhein jüdischer man
wær den heiden undertân.»

     [Zusätzlicher Text aus B]
sô müest wir lîden von in spot
und schaden. nein, vil lieber got!
wir getrouwen dîner gotheit wol,
wir werden von dir freuden vol.

dannoch ruoft er mêre:
«sî ieman der sîn êre
well mêren, der sol her für gên,
9750
ob er den kempfen well bestên,
der für di heiden vehten sol.
gesigt er, so ist er immer vol
freuden, êr und wunne.
ein juncfrou sam diu sunne
9755
gît man im an den arm schôn.
daz ist ein wunniclîcher lôn,
daz er sol minnen sicherlîch
des werden küniges tohter rîch.»
dô diser ruof wart getân,
9760
nieman sach dheinen man
gên für des küniges gezelt,
daz geslagen was ûf daz velt.
dâ was ouch manic helt,
der dheiner was dar zuo erwelt,
9765
daz er di jungen küniginnen
wolt umb ditz kempfen minnen,
wan disen risen Golyam
nieman mit kampf wolt bestân.

    Künic Saul leit nôt und arbeit,
9770
wan im was vil leit,
daz er niht kempfen moht hân.
sîn tohter hiez er für sich gân.
er sprach: «seht an die schœnen meit,
wie si mit tugent sî gekleit!
9775
swer die minnen sol,
der mac wesen freuden vol.
seht an ir ougen lôse,
ir mündel als diu rôse,
ir lîp gestalt wol ze vlîz,
9780
ir wengel lieht, ir helsel wîz!
seht an ir lieplîch lachen,
daz kan wol freude machen!
si ist vil edelîch gestalt,
ir tugent diu ist manicvalt.
9785
ez möht wol ein biderb man
den kempfen hie durch sie bestân.»
diu juncfrou was minniclîch,
ir kleit was unmâzen rîch.

    Der künic sprach: «schœniu tohter mîn,
9790
got müezest dû enpfolhen sîn!
ist ieman hie, der dise jugent
mit kampf gewinn und ir tugent,
dem wil ich geben guotes vil,
daz ich gern mit im teilen wil,
9795
die wîl mir sîn got gan.
sî ieman der êr well hân
mit disem wunniclîchen lîp,
ôwê! welch ein schœn wîp
er an dir immer haben sol!
9800
sîn lîp wirt ganzer freuden vol.
dû hâst guot über elliu wîp.
sî ieman der nû sînen lîp
well wâgen durch di tohter mîn,
des wîp muoz si ân zwîfel sîn.»

9805
    Waz half sîn sprechen, sîn sagen?
si begunden all stille dagen,
wan ez was dhein man,
der disen kempfen wolt bestân.
doch wart daz selb mære
9810
gesagt mit grôzer swære
einem wênigen man,
sînen namen ich iu nennen kan:
Davit sô was er genant.
er was zwâr ein wîgant
9815
des lîbes und des guotes,
er was auch frîes muotes
unde was der jâr ein kint.
der schâf hêt er gepflegen sint
und hêt gelernet wol genuoc,
9820
daz er was alsô kluoc
zuo der stapslingen;
mit steinen kund er twingen
beidiu vogel unde tier.
ein schütz kund niht sô schier
9825
mit dheinem schoz geschiezen,
er liez sich niht verdriezen,
er wurf drî würfe an ein stat,
wann er sîn niht wolt haben rât.

    Dô der selb jüngelinc
9830
erhôrt disiu teidinc,
daz disen kempfen nieman
mit kampf wolt bestân,
wan er was eislîch genuoc —
ich sag iu waz er an truoc:
9835
einen isenhuot, der was grôz,
wan nie sîn genôz
einen mêrern nie gewan.
ein nasbant, des man im wol gan,
daht im sîn antlütz;
9840
ez was zuo dem strît nütz,
ez gie vor von dem îsenhuot.
ein halsberc wît unde guot
hêt er von vesten ringen.
«wie mac mir misselingen,»
9845
sprach er, «an disem strît?
ich slach tief wunden wît.»
er truoc an den beinen sîn
zwên schuoch gegozzen êrîn
von lûterm glockspîse.
9850
er sprach: «er wær unwîse,
der mich hiut wolt bestân.
ich mac im wol gesigen an.»
ein îsnîn stang veste,
di besten di ieman weste,
9855
die truoc er über die ahsel sîn.
zwên hantschuoch stechlîn,
die truoc er beid in sîner hant.
er sprach: «und solt ich liut und lant
allesamt alein bestân,
9860
ich getrou in wol gesigen an.»
sînen schilt er an dem arm truoc,
der was gegozzen alsô kluoc
und was ze strît alsô starc,
er nam in dô für tûsent marc.
9865
er was von êre gegozzen grôz.
den risen des niht verdrôz,
er swung in an den arm sîn
sam ein ringez bletelîn.
doch wil ich sagen waz er wac:
9870
daz ich für wâr gesprechen mac:
fünfzic zentner was zuo dem schilt.
diu krancheit in dô niht bevilt.
er was sô starc, als man seit:
über die ahsel was sîn breit
9875
sehs dûmellen wît.
ein wîgant was er zuo dem strît.
swâ er mit dem fuoz trat,
ein mâl wart an der selben stat.
sô eislîch was sîn gevert.
9880
er was zuo dem strît hert.

    Nû lâz wir den risen stân
und grîfen Daviten an,
wie er fuor, dô er die red vernam,
dô der künic lobesam
9885
wolt sô grôz miet geben,
wie sîn herz begunde streben,
daz er für den künic quæme
und sîn red vernæme.
dô er dô für den künic gie,
9890
vil minniclîch er in enpfie.
er sprach: «künic hôchgeborn,
dir sol an mir niht wesen zorn;
künic, durch dîn güete
ich sag dir mîn gemüete:
9895
herr, ich hân die mær vernomen
und bin her zuo dir komen,
wie dû, künic rîch
unde fürst löblîch,
nindert mügst kempfen gehân,
9900
der den risen müg bestân,
den die heiden habent ûz gesant
ze schaden dir in ditz lant.
den wil ich gern bestân,
swie halt mir ez sol ergân.
9905
wil dû daz gelübde dîn
gegen mir lâzen stæt sîn,
daz dû dem volk hâst getân,
und wil des niht ab gân,
sô wil ich sêl und daz leben
9910
hiut in gotes namen geben.»

    Dô sprach der künic zehant:
«wie maht dû, friunt, den wîgant
mit sô hertem strît bestân?
wan dîn leben muoz dir zergân;
9915
und ersihst dû niur daz antlütz sîn
und den eislîchen schîn:
sîner ougen fiur rôt
gît dir den bitterlîchen tôt.
dû bist ein wêniger man,
9920
dû maht sîn leider niht bestân.
mit einem fuoz er dir gît
an allen enden herten strît.»
des antwurt Davit zehant,
er sprach: «ich muoz den wîgant
9925
mit mîner slingen bestân,
swie halt ez mir süll ergân,
wan gotes von himelrîch
huot ist niht gelîch.
swem der heilant helfen wil,
9930
der hât immer freuden vil.
nieman im geschaden mac,
unde fürht ouch dheinen slac.
der himel wirt sîn schilt,
unde wil im got der milt
9935
sîn genâd teilen mit,
sô kan im nieman geschaden nit.»

    Dô stuonden alt juden bî —
ir wâren mêr dann drî —,
die rieten all besunder:
9940
«herr, ob gotes wunder
an disem menschen sol ergên,
sît er in gern wil bestên
und dû mit dînen sinnen
dheinen andern maht gewinnen,
9945
wan got ist niht unmüglîch,
sît er ûf himel und ûf ertrîch
gewaltes alsô vil hât
an einer ieslîchen stat —:
dâ von sô mac er ân wân
9950
im vil gesigen an.»
dô der künic die red vernam,
er sprach: «dû solt ân scham
den wîgant hie bestân;
ez sol dir löblîch ergân.»
9955
er sprach: «ich wil dir tuon bekant
daz best îsengewant,
daz ie jud an getruoc.
nû bis behend unde kluoc.»
Davit der red antwurt dô:
9960
«ez sol ergên niht alsô:
ich muoz in blôzer bestân,
swie halt ez mir süll ergân.
daz îsengwant ist mir ze swær.
ich getrou got dem schepfær,
9965
er helf mir durch sîn gotheit,
daz ez dem risen werde leit.»

    Mit diser red huop er sich dan.
si giengen mit im ûf den plân
dâ der ris gesezzen was
9970
ze tal nider ûf daz gras.
der heiden künic stuont im bî,
er wolt wesen sorgen frî.
ûf spranc er besunder.
des nam di heiden wunder,
9975
daz ein sô wêniger man
einen risen wolt bestân.
dô wart niht lenger gespart,
ein kreiz dâ bestoubet wart
nâch der alten gewonheit.
9980
er wart michel unde breit,
dâ si solden în gên
und an ein ander bestên.
si beid giengen in den kreiz drât,
daz was fruo und niht spât.
9985
dô sprâchen juden und jüdelîn:
«sol Davit unser kempf sîn,
zwâr daz ist ein tôrheit,
ez mac dem künig werden leit.
die heiden hêten ez für spot
9990
und lobten des ir abgot,
daz si solden werden rîch;
ir kempf slüeg in sicherlîch.

    Also Davit in den rinc trat,
Golyas flêhet unde bat
9995
den vil wênigen man,
er sprach: «dû solt mich niht bestân.
ich trit dich mit dem fuoz mîn —
des wil ich gar ân angst sîn —,
daz daz gebütze ûz dir vert,
10000
und wizze, daz dich nieman nert.
wes habent di juden mit dir gedâht?
der tiuvel hât dich her brâht!
der rihtet mit dir sînen spot;
des getrou ich mînem abgot.
10005
dû bist ein tumbez jüdelîn.
dû möhtest gerner dâ heim sîn
und hüeten dînes vater hert.
dû bist tumber dann vert.
ich stôz dich mit dem fuoz mîn
10010
daz dû unsælic muost sîn!»
Davit ûz grôzem zorn sprach:
«dû muost grôzen ungemach
lîden von den henden mîn.
des müezen geziuc sîn
10015
alle di ez habent gesehen
und wil mir got des siges jehen!
swie michel dû bist und swie grôz
und gihst, daz nieman sî dîn genôz
an strît und ouch an wer,
10020
dû slüegest ein wol ein her:
doch ist got ob dir ze aller zît,
wil er, ich gib dir ein den strît.
swie grôz nû sî dîn stange,
ich gib mit mîner slange
10025
dir vil würf an dînen nac,
daz du einen unsæligen tac
von mînen handen muost vertragen.
ich wirf dir stein an dînen kragen.
swie grôz, swie lanc dir sîn dîn gebein,
10030
wil got, ich gesig alein,
daz dû in schanden muost geligen.
wil got, ich mac dir an gesigen.»

    Golyas sprach ûz zorn:
«jâ bist dû der verlorn,
10035
dû unsæligz jüdelîn.
dîn kempfen möht wol rât sîn.
waz kallest dû? wes swîgst dû niht?
ich sag dir waz dir von mir geschiht.
ich vâch dich bî dem rehten bein
10040
und slach dich hie umb einen stein.
âwê! waz kampfs nimst dû dich an,
dû vil wunderwêniger man?
sag an, wil dû hie ligen tôt?
ginc heim, iz milich unde brôt.
10045
swer dich ze kempfen hât gesant,
der wirt vil gar mit dir geschant.»

    Davit der vil guot
stuont vor im in der huot
und hêt an im dhein îsengwant
10050
noch dheinen schilt an sîner hant.
dhein wer hêt er mit im dar brâht,
wan mit dem mantel hêt er sich verdaht.
er was ein guot schütze.
ein sling was im nütze
10055
und ouch fünf steine,
die hêt der degen reine.
daz was sîn wer an der stat,
dâ mit er gegen dem risen trat.
«nû wer dich,» sprach der klein man,
10060
«ez muoz dir an daz leben gân.»
der ris mit dem fuoz trat
nâch im an der selben stat
und wolt in dâ ertrett hân.
dô spranc der klein man
10065
durch des grôzen risen bein.
sîn leben daz wær anders klein
gewesen an der selben stat.
er lief umb den risen drât
und warf im zehant einen stein
10070
für daz houbt, daz er erschein
mitten under dem îsenhuot,
alsô daz im daz rôt bluot
ze tal über den munt ran,
dem vil eislîchen man.
10075
dar nâch er den andern warf
ûf disen stein, der was scharf,
alsô daz im der êrst stein
hinden ûz dem nack schein.
der dritt wurf was sô vest,
10080
daz nieman einen sterkern west
noch nie vester wart gesehen,
des muoz ich von schulden jehen,
wan der ris alsô grôz
für in ûf die erd schôz
10085
ze tal als ein man,
der nie dhein leben gewan.

    Des freuten sich die juden dô.
die heiden wurden gar unfrô,
wan si gevangen muosten wesen —
10090
die juden liezens niht genesen —
oder si tôten si zehant.
diu wal stuont al in irr hant.
die heiden wurden gevangen.
den juden was ez ergangen,
10095
als got von himel wolde
und als ez wesen solde.
die juden grôz und kleine
fuorten die heiden gemeine
heim alsus gevangen:
10100
ez was in übel ergangen.