BIBLIOTHECA AUGUSTANA

 

Eike von Repgow

um 1180/90 - nach 1233

 

Sachsenspiegel

 

Das Sächsische Landrecht

 

______________________________________________________________________________

 

 

 

Erstes Buch

 

Fol. 4r der Dresdner Bilderhandschrift des Sachsenspiegels. Mscr. Dresd. M. 32 (SLUB Dresden)

 

 

Artikel 1.

We von godes halven

bescermere des rechtes wesen solen.

Unde wo manich recht si.

 

Ursprung und gegenseitiges Verhältnis

der geistlichen und weltlichen Macht

Tvei svert lit got in ertrike to bescermene de kristenheit. Deme pavese is gesat dat geistlike, deme keisere dat wertlike. Deme pavese is ok gesat to ridene to bescedener tiet up eneme blanken perde unde de keiser sal ime den stegerep halden, dur dat de sadel nicht ne winde. – Dit is de beteknisse, svat deme pavese widersta, dat he mit geistlikeme rechte nicht gedvingen ne mach, dat it de keiser mit wertlikem rechte dvinge deme pavese gehorsam to wesene. So sal ok de geistlike gewalt helpen deme wertlikem rechte, of it is bedarf.

 

 

Artikel 2.

Welkes richteres gerichte

iewelk man süken sole unde wanne.

Unde wie de richtere sin.

Wo manich vriheit si.

Wat de burmester to gerichte wrogen sole.

 

Abstufungen der geistlichen und weltlichen Gerichte

und der Personen nach ihrer Pflicht jene zu besuchen

§ 1

Iewelk kersten man is senet plichtig to sükene dries in me jare, sint he to sinen dagen komen is, binnen deme biscopdume dar he inne geseten is. – Vriheit de is aver drierhande: scepenbare lüde, die der biscope senet süken solen; plechhaften der dumproveste; lantseten der ercepriestere. –

§ 2

Tu geliker wies solen se wertlik gerichte süken. De scepenen des greven ding over achtein weken under koninges banne. Leget man aver en ding ut um ungerichte von dem echten dinge over virteinacht, dat solen se süken, dur dat ungerichte gerichtet werde. Hir mede hebbet si vorvangen ir egen jegen den richtere, dat it alles dinges ledich von ime is.

§ 3

De plechhaften sint ok plichtich des sculteiten ding to sükene over ses weken von irme egene; under den mut man wol kesen enen vronen boden, of de vrone bode stirft.

§ 4

De lantseten, de nen egen hebbet in me lande, die solen süken ires gogreven ding over ses weken. Dar unde in iewelkem vogetdinge sal iewelk burmester wrügen alle de to dinge nicht ne komet, de dar plichtich sint to komene, unde dat rücht unde minschen bludende wunden, de eme en ander hevet gedan, unde getogene svert up enes anderen mannes scaden, unde al ungerichte dat in den lif oder in de hant gat, of it mit klage vor gerichte nicht begrepen is; anderes ne darf he nicht wrügen.

 

 

Artikel 3.

Von ses werlden. Von herscilden.

Von sibbe. We dat erve to voren nimt.

§ 1

Von den sieben Welten

Origenis wiessagede hir bevoren, dat ses werlde solden wesen, de werlt bi dusent jaren up genomen, unde in dem sevenden solde se togan. Nu is uns kündich von der heiligen scrift, dat an adame de irste werlt began; an noe de andere; an abrahame de dridde; an moise de vierde; an davite de vefte; an godes geborde de seste; in der sevenden si we nu sunder gewisse tale.

§ 2

Heerschilden

Tu dirre selven wis sint de herschilde ut geleget, der de koning den irsten hevet; de biscope unde ebbede unde ebdischen den anderen; die leien vorsten den dridden, sint se der biscope man worden sin; die vrien herren den vierden; de scepenbare lüde unde der vrienherren man den veften; ire manne vort den sesten. Alse de kristenheit in der seveden werlt nene stedicheit ne weit, wo lange se stan sole, also ne weit man ok an dem seveden scilde, of he lenrecht oder herschilt hebben moge. Die leien vorsten hebbet aver den sesten schilt in den seveden gebracht, sin se worden der biscope man, des er nicht ne was. Alse de herschilt in me seveden to stat, also to geit de sibbe an deme seveden.

§ 3

Sippezahlen

Nu merke wie ok, war de sibbe beginne unde war se lende. In deme hovede is besceiden man unde wif to stande, die elike unde echtlike to samene komen sin. In des halses lede die kindere, die ane tveinge vader unde muder geboren sin. Is dar tveinge an, die ne mogen an eine lede nicht bestan unde scricket an ein ander let. – Nemet ok tvene brüdere tvo süstere, unde de dridde bruder en vremede wif, ire kindere sint doch gelike na, ire iewelk des anderen erve to nemene, of se evenburdich sint. Ungetveider brüder kindere de stat an deme lede, dar scülderen unde arm to samene gat; als dut die süster kindere. Dit is de irste sibbe tale, die man to magen rekenet: bruder kindere unde suster kindere. In dem ellenbogen stat die andere. In dem lede der hant de dridde. In dem irsten lede des middelsten vingeres de vierde. In dem anderen lede de vefte. In dem dridden lede des vingeres de seste. In dem seveden stat ein nagel unde nicht ein let, dar umme lent dar de sibbe, unde hetet nagel mage. – Die tvischen deme nagele unde deme hovede sik to der sibbe gestuppen mogen an geliker stat, de nemet dat erve gelike. De sik naer to der sibbe gestuppen mach, de nimt dat erve to voren. – De sibbe lent in dem seveden erve to nemene, al hebbe de paves georlovet wif to nemene in der veften; wende de paves ne mach nen recht setten, dar he unse lantrecht oder lenrecht mede ergere.

 

 

Artikel 4.

We nen erve nemen mach.

Von Erbunfähigen

Uppe altvile unde uppe dverge ne irstirft weder len noch erve, noch uppe kropelkint. Sve denne de erven sint unde ire nesten mage, de solen se halden in irer plage. – Wirt ok ein kint geboren stum oder handelos oder votelos oder blint, dat is wol erve to lantrechte unde nicht len erve. Hevet aver he len untvangen, er he wurde alsüs: dat verluset he darmede nicht. – De meselseke man ne untveit weder len noch erve. Hevet he't aver untvangen er der süke, he behalt it unde erft it als ein ander man.

 

 

Artikel 5.

We dat erve nimt unde rade.

Unde wene man to enen papen secgen mach.

§ 1

Erbrecht der Enkel

Nimt de sone wif bi des vader live de eme evenburdich is, unde wint sone bi ire, unde stirft he dar na er sineme vadere umbedelet von dem erve, sine sone nemet dele in ires eldervader erve, gelike irme veddern in ires vader stat. Alle nemet se aver enes mannes deil. Disses ne mach den dochter kinderen nicht geschin, dat se gelike dele nemen der dochter in des eldervader oder in der eldermuder erve. –

§ 2

Erbrecht der Töchter

De dochter, de in me huse is umbestadet, de ne delet san nicht irer muder rade mit der dochter, de utgeradet is. Svat sie aver erve an irstirft, dat mut se mit der süster delen. – Wif mach mit unkuschheit irs lives ire wifliken ere krenken; ire recht ne verlüst se dar mede nicht noch ir erve. –

§ 3

Erbrecht der Geistlichen

De pape nimt gelike dele der süster in der muder rade, unde gelike dele den bruderen an egen unde an erve. Man ne mach nemanne segen to enen papen, he ne si gelert, unde gewiet to enen papen, unde mit scerene getekenet to papen, er in de rade an irstorve. Swar aver de vrouwe nenen bruder ne hevet wan enen papen, se nimt eme gelike dele in deme erve, als in der rade. – Von des papen gude na sime dode ne nimt man nene rade, wend'it is allet erve, svat under ime bestirft. Die ungeradene süster ne delt nicht irer muder rade mit den papen, de kerken oder provende hevet.

 

 

Artikel 6.

Wat erve si. Welke schult de erve gelden sal.

Welker scult men den man inneren unde nicht inneren sole.

Wat man dem erven gelden sal.

§ 1

Begriff von Erbe

Mit svelkeme gude de man bestirft, dat het allet erve.

§ 2 und 4: Uebergang der Schulden und Forderungen auf den Erben

§ 2:

Sve so dat erve nimt, die sal dur recht die scult gelden also vern, als it erve geweret an varender have. Düve noch rof noch dobelspel n'is he nicht plichtich to geldene, noch nene scult, wande der he wederstadinge untving, oder bürge was worden; de scult sal de erve gelden, of he geinnert wirt als recht is mit tven unde seventich mannen, de alle vrie scepenbare sin, oder echt borene late.

§ 3 und 5: Wann muss der Beklagte bekennen oder leugnen

§ 3:

Svat aver en man weit, des ne darf man in nicht inneren mit getüge, of de man sines getüges wil afgan, unde en scüldeget to lantrechte oder to lenrechte umme sine witscap; der sal he bekennen unde lesten, oder besaken unde dar vore sveren.

§ 4

Man sal ok den erven gelden, dat man deme doden scüldich was.

§ 5

Der scult, die de man selve scüldich is, der ne darf man em nicht innern, he sal ir bekennen oder versaken.

 

 

Artikel 7.

Von lovede. Wes man den man vertügen moge.

Unde wo man den man vertügen sole.

 

Beweis des aussergerichtlichen und

des gerichtlichen Versprechens

Sve icht borget oder lovet, die sal't gelden, unde svat he dut, dat sal he stede halden. Wil he is aver versaken dar na, he untvort it ime mit sinem ede, svat he vor gerichte nit gelent ne hevet. Svat he aver vor gerichte dut, des vertüget en de sakeweldige mit tven mannen, unde de richter sal de dridde sin.

 

 

Artikel 8.

Wo man ein gegeven oder sat egen,

oder einen manne an sin sunt, lif, recht, sune, orvede tugen sole.

Von vronen boden tüge, bute, weregelde.

 

§ 1

Gerichtszeugniss über Eigen, Recht, Leib und Leben

Svar man aver egen gift oder sat, oder enem manne tügen wil an sin recht, oder an sin lif, oder an sin gesunt, dat de man vor gerichte verlovet hebbe, oder ime verdelt si; des mut di richter selve sevede sogedaner lüde de eme ordel vinden getüch sin.

§ 2

Vom Frohnboten

Des vronen boden getüch stat vor tvene man, of man's bedarf, dar man mit seven mannen getügen sal. Sin bute die is ok tvevalt, unde sin weregelt na siner bort, sint der tiet dat he to vronenboden gekoren wirt.

§ 3

Zeugniss über Sühne und Urfehde

Sune aver unde orveide, de de man vor gerichte dut, getüget men mit deme richtere unde mit tven mannen. Geschit it aver ane gerichte, he mut it getügen selve sevede, dem man die sune oder de orveide dede.

 

 

Artikel 9.

Stirft de man demen egen geven, oder len laten sal.

Oder jene det laten sal. Oder wert in de were gebroken.

Of ein dem anderen lenunge irwerven sal.

 

§ 1-3: Inwieweit muss das Versprechen zu geben oder zu leihen

den Erben des Empfängers gehalten werden

§ 1

Sve aver dem anderen lovet en egen to gevene vor gerichte, unde jene sin silver oder ander sin gut dar up gift, stirft jene danne, er ime de gave gestedeget werde, man sal't sime erven lesten, also man jenem solde, deste he't jeneme vulgelde. Dit selve sal man ok dun umme iewelke varende have.

§ 2

Sve ok dem anderen sin gut vordinget, unde lovet it ime up to latene vor sineme herren, svenne he't irwerve, unde gilt it imejene al oder en deil, unde stirft jene de't bedinget hevet, er it ime gelegen werde, jene is't plichtich to latene sime lenerven, he si ime evenburdich oder ne si. Unde n'is dar nen lenerve, he is plichtich to latene sime rechten erven sv he si, alse he't jeneme laten solde, deste he't vulgelde; oder he sal eme weder geven, dat ime dar up gegeven was.

§ 3

Dit selve sal ok de herre dun, of en man en gut jegen in bekosteget, dat he ime lien unde ledich maken sal, unde of de man er der lenunge stirft.

§ 4

Inwieweit muss das Versprechen zu geben oder zu leihen von

dem Erben des Empfängers selbst gehalten werden

Lovet aver de man, de't gut laten sal, dat he jeneme de lenunge irwerve, unde dut he dat unde kündeget he't jeneme mit getüge, dat he dar na ride unde he't untva, unde weigeret des jene ane rechte not; stirft de herre, oder weigeret he's sider to lene, unde ne mach he's nicht erwerven als er, he is von ime ledich des inridenes unde nicht des latenes, of it jene dar na erwerven mach.

§ 5-6: Uebergabe des Gutes ohne Auflassung

§ 5

Sve ok dem anderen gut in siner were let, ir he't ime up late, he sal ine in der gewere vorstan, dewile he't ime nicht upgelaten ne hevet, svenne he siner werscap bedarf. Wirt aver ime, oder jeneme deme he't laten sal, de were gebroken mit rechte, he sal ime sin gut wider geven, dat ime dar up gegeven was.

§ 6

Stirft aver jene de't laten solde, sin sone n'is nicht plichtich to latene, he ne hebbe't selve gelovet oder bürgen vor gesat.

 

 

Artikel 10.

Gift de vader dem sone perde, kledere.

 

Gaben des Vaters an den unabgesonderten Sohn

Gift de vader sime sone kledere unde ors unde perde unde harnasch to der tiet, als he is bedarf unde et nütten mach, unde it de vader geven mach; stirft sint sin vader, he ne darf des nicht delen mit sinen brüderen, noch sines vader herren weder geven, noch des vader erven, of he sinem vadere nicht evenburdich n'is, al si he von sinem vader ungesceden mit sime gude.

 

 

Artikel 11.

Halt de vader oder muder ir kindere in vormuntscap.

 

Herausgabe des Vermögens der Kinder bei ihrer Absonderung

Halt ok de vader sine kindere in vormuntscap na ir muder dode, svenne se sik von ime scedet, he sal en weder laten unde wider geven al ir muder gut, it ne si ime von ungelücke unde ane sine scult geloset. Dit selve sal dat wif des vader kinderen dun, of ir vader stirft, unde iewelk man, die kindere vormünde is.

 

 

Artikel 12.

Of lüde ir gut to samene hebbet.

 

Welche Gegenstände fallen in eine Gemeinschaft

Svar brudere oder andere lüde ir gut to samene hebbet, verhoget se dat mit irer kost oder mit irme deneste, de vrome is ir aller gemene; dat selve is de scade. Svat aver en man mit sime wive nimt, des ne delt he mit sinem brudere nicht. Verspelt aver en man sin gut, oder verhuret he't, oder vergüftet he't mit gift oder mit kost, dar sine brüdere oder de ire gut mit ime gemene hebbet nicht to geplicht ne hebbet; de scade den he dar an nimt sal sin enes sin, unde nicht siner brüdere, noch siner geverden, de ir gut mit eme gemene hebbet.

 

 

Artikel 13.

Von afgesunderden kinderen.

 

Inwiefern theilen unabgesonderte Kinder

das Erbe mit abgesonderten

§ 1

Sundert vader unde muder enen iren sone oder ene ire dochter van in mit irme gude, se tvein sik mit der kost oder ne dun, willet se na des vader dode oder na der muder dode an ir erve deil spreken, die bruder an der brüdere, oder de gemannede dochter an der umbestadeden süster; se muten in de dele bringen mit irme ede al dat gut, dar se mede afgesundert waren, of it is varende gut, sunder rade. Is it aver andere gut, dat man bewisen mach, dar ne mogen se nicht vore sveren.

§ 2

Hadden aver se ir ervedelunge dar an verloft, der solen se umberen, se ne untsegen't uppen hilgen. Verlofden se't aver vor gerichte, so mut men's se bat vertügen, den se's unscüldich muten werden. – Die burmester is wol getüch over den gebur binnen sime gerichte in's richteres stat umme süsgedane sake.

 

 

Artikel 14.

Wes de belende sone sinen brüderen

plichtich si von des vader lene.

 

Unterschied der Erbfolge nach Land- und nach Lehnrecht

§ 1

Als si't lenrecht, dat de herre nicht ne lie mer eme sone sines vader len, it n'is doch nicht lantrecht, dat he't al ene behalde, he ne irstade't sinen brüderen, na deme dat is in gebord an der lene.

§ 2

Alse n'is't ok nicht lantrecht, of de vader den sone mit sime lene van ime sundert und et san uplet, dat he dat to voren behalde na sines vader dode, unde in dem anderen lene gelike dele neme sinen brüderen; al ne künnen se's ime nicht geweigeren to lenrechte, nicht n'is't doch lantrecht; unde klaget se over ene to lantrechte, se gedvinget in dar wol mit ordelen to rechter dele.

 

 

Artikel 15.

Of ein dem anderen siner varenden have besaket.

Wat man mit unscult unde ane unscult vorantwerden moge.

 

Klage um fahrende Habe und deren Abweisung

§ 1

Sve dem anderen sin varende gut lit, oder sat, oder to behaldene dut, umme bescheit oder ane bescheit, wil's ime jene dar na besaken, oder sin erve na sime dode, dese is't nar to behaldene selve dridde, dan jene als ene dar vor to sverene. Mach aver jene, de't in geweren hevet, sin varende gut dar an getügen oder sin erve gut, oder hevet he's geweren to rechte, he brikt ime sinen getüch; ime ne werde burst an sime geweren.

§ 2

Sculdeget man den man umme dat, des he nicht ne hevet, des untgat he mit siner unscult. Svat man vaver under ime bewisen mach, dar vore mut he antwerden ane unscult.

 

 

Artikel 16.

We sin recht versmat vor gerichte. Wer ander recht irwerven moge.

Wate recht dat kind hebben sole na sines vaders dode.

 

Vom angebornen Rechte

§ 1

Nieman ne mach irwerven ander recht, wan als im an geboren is. Versmat aver he sin recht vor gerichte unde seget he ime to en ander recht, des he nicht vulkomen ne kan, he verlüset beide. Sunder de egene man, den man vri let, die behalt vrier lantseten recht.

§ 2

Svar't kint is vri unde echt, dar behalt it sines vader recht. Is aver die vader oder de muder dinstwif, it kint behalt sogedan recht, als it in geboren is.

 

 

Artikel 17.

We des anderen erve nemen moge.

We des anderen erve nicht nemen ne mach.

Welk svave nen erve nimt.

 

§ 1

Erbfolgeordnung unter Blutsverwandten

Stirft die man ane kint, sin vader nimt sin erve; ne hevet he des vader nicht, it nimt sin muder mit mereme rechte, dan sin bruder. Vader unde muder, süster unde bruder erve nimt de sone unde nicht de dochter; it ne si dat dar nen sone ne si, so nimt it de dochter. – Sven aver en erve versüsteret unde verbruderet, alle de sik gelike na to der sibbe gestuppen mogen, de nemet gelike dele dar an, it si man oder wif; disse hetet de sassen gan erven. – Doch nimt sones unde dochter kint erve vor vader unde vor muder unde vor bruder unde vort süster, durch dat: it ne geit nicht ut dem busmen, de wile de evenburdige busme dar is. – Sve so dem anderen evenburdig nicht ne is, de ne mach sin erve nicht nemen.

§ 2

Abweichung des schwäbischen Rechts

Die svave ne mach ok von wifhalven nen erve nemen, wende de wif in irme slechte als ervelos sint gemaket dur iir vorvaren missedat.

 

 

Artikel 18.

Wat recht de sassen weder karles willen behelden.

 

Welches Recht behielten die Sachsen wider Carls Willen

§ 1

Drierhande recht behelden de sassen wider karles willen. Dat svevische recht dur der wive hat.

§ 2

Unde dat andere: svat so de man vor gerichte nicht ne dut, svo wetenlik it si, dat he des mit siner unscult untgeit, unde man's in nicht vertügen ne mach.

§ 3

Dat dridde is dit: dat man nen ordel so recht vor me rike binnen sassen ne vint, wel't en sasse scleden, unde tüt he's an sine vorderen hant unde an de merren menie, unde weder vichtet he dat ordel selve sevede weder andere sevene, svar de merre menie geseget, de hevet dat ordel behalden. – Dar to behelden se al ir alde recht, svar et weder der kristenliker e unde weder deme geloven nicht ne was.

 

 

Artikel 19.

Von sveveschem rechte. Wur an svevisch unde sesch recht tveit.

 

Besonderheit des schwäbischen Rechts im Erbnehmen und Urtheilschelten

§ 1

Die svavee nimt wol herwede unde erve boven der seveden sibbe, also verne so he immer gereken kan, dat em de man von sverthalven to geboren si, oder also vern also he getügen mach, dat en sin vorvare jens vorvaren, oder jens vorvare sines vorvaren herwede irvorderet hebbe vor gerichte, oder genomen hebbe.

§ 2

Die svavee sceldet wol ordel under en selven binnen svavischer art, unde tiet des an den elderen svaf, den muten se aver benomen, unde an de meren menien to echteme dinge an de hogesten dingstat. Svevisch recht ne tveiet von sessischeme nicht, wende an erve to nemene unde ordel to scelden.

 

 

Artikel 20.

Wat iewelk man to morgengave geven mach.

Wo man morgengave nemen, behalden sal unde rade.

 

§ 1

Morgengabe bei Ritterbürtigen

Nu vernemet wat iegelik man von ridderes art moge geven sime wive to morgengave. Des morgens, alse he mit ir to dische gat vor etene, ane erven gelof, so mach he ire geven enen knecht oder ene maget, die binnen iren jaren sin, unde tünete unde timber unde veltgande ve.

§ 2

Recht der Frau an Morgengabsgebäuden

Svar der vrowen die stat nicht n'is mit deme gebu, als ir man stirft, binnen ses weken na dem drittegesten sal se mit dem gebu rumen, so dat se de erde nicht ne wunde. Büdet se't aver to losene na der bure kore jeneme des de stat is, unde ne wil he's nicht, so mut se it wol up graven, deste se die erde weder evene.

§ 3-5 und 7: Beisitz der Witwe mit den Kindern

§ 3

Blift se aver mit den kinderen oder mit ires mannes erven, lange wile oder kurte, ungetveiet mit irme gude, svenne se sik dan van in sceidet, se nimt al ir recht an dem gude dat dar denne is, also se't do nemen solde do ir man starf.

§ 4

Blift aver de wedewe na irs mannes dode mit iren kinderen in der kindere gude, dat ire nicht n'is, unde ungesceiden van deme gude, unde nemet ire sone wif bi irme live, stervet ire sone dar na, des sones wif nemet mit mereme rechte ires mannes morgengave unde müsdele unde ire rade an ires mannes gude, dan sin muder, of se irs mannes unde irs selves umbesculdenen were dar an getügen mogen.

§ 5

Bestirft aver de sone in der muder gude, so is't de muder nar to behaldene mit getüge, dan irs sones wedewe.

§ 6 und 9: Beweis der Morgengabe

§ 6

Morgengave behalt dat wif uppen hilgen, de gewere aver mit getüge.

§ 7

Süs behalt ok ir nichtele ir rade na irme dode, of se er irme manne stirft, bilker den des mannes muder. Die muder is gast in des sons geweren, unde di sone in der muder.

§ 8

Morgengabe bei Nichtritterbürtigen

Alle de von ridders art nicht ne sin, die ne mogen iren wiven nicht geven to morgengave wen dat beste perd oder ve, dat se hebbet.

§ 9

Morgengave mut en wif uppen hilgen wol behalden ane tüch.

 

 

Artikel 21.

Wo man egen der vrowen to irme live geven mach.

Wur an se ir liftucht verliesen moge.

Wat dat gesceiden wif von irme manne behalden sal.

§ 1

Erwerb der Leibzucht

Man mut ok wol vrowen geven egen to irme live mit erven gelove, svo jung se sin, binnen deme gerichte dar't egen inne leget, in iewelker stat, deste dar koninges ban si. –

§ 2

Verlust der Leibzucht

Liftucht ne kan den browen neman breken, neweder naborne erve, noch neman uppe den dat gut irstirft, se ne verwerke't selve; so dat se ovetbome uphowe, oder lüde van deme gude verwise, die to deme gude geboren sin, oder to swelker wis se ire liftucht ut van iren weren let; se ne weder du't binnen rechten degedingen, svenne se dar umme gescüldeget wirt; dar mach se sie mit verliesen. – Wirt san en mach mit rechte van sime wive gesceiden, se behalt doch ir lifgetucht, de he ir gegeven hevet an sinem egene.

 

 

Artikel 22.

Wat de erve dun moge na des mannes dode.

Wo man dem ingesinde lonen sal. Wat to musdele, to herwede hort.

Wo man herwede delen sole.

§ 1

Befugnisse des Erben bis zum dreissigsten Tage

Die erve mut wol varen to der wedewen in dat gut er deme drittegesten, durch dat he beware, dat des icht verloren werde, des an in gedrepe. Mit sime rade sal ok die vrowe begraft unde drittegesten dun; anders ne sal he nene gewalt hebben an'me gude bit an den drittegesten.

§ 2

Ablöhnung des Gesindes des Verstorbenen

Van dem erve sal man aller irst gelden dem ingesinde ir verdenede lon, als in gebort bit an den dach dat ir herre starf; unde man sal sie halden bit an den drittegesten, dat sie sik mogen bestaden; wil aver die erve, sie solen vuldenen unde vullon untvan. Is aver in to vele lones gegeven, des ne dürven sie nicht weder geven. Besact man in ok irs lones von eme jare oder von eme halven, dat muten se wol uppen hilgen behalden. Sve uppe gnade gedenet hevet, die mut den erven gnaden manen. Stirft ok de gemedede man, er he sin lon verdene dat im gelovet was, man n'is sinen erven nicht mer lones plichtich to gevene, wen alse he verdienet hadde unde im geborede to der tiet do he starf.

§ 3

Vom Mustheil

Dar na mut de vrowe jegen den erven musdelen alle hovede spise, die na dem drittegesten overblift in iewelkeme hove irs mannes, oder svar he se hadde binnen sinen geweren. –

§ 4 und 5: Vom Hergewäte

§ 4

So sal de vrowe to herwede irs mannes sverd geven, unde dat beste ors oder perd gesadelet, unde dat beste harnasch, dat he hadde to enes mannes live, do he starf, binnen sinen weren; dar to sal se geven enen herpole, dat is ein bedde unde ein küssen unde ein lilaken, en dischlaken, tvei beckene unde ene dvelen. Dit is ein gemene herwede to gevene unde recht, al settet die lüde dar mangerhande ding to, dat dar nicht to ne hort. Sves dat wif nicht hevet dirre dinge, des ne darf se nicht geven, of se ir unscult darn dar to dun, dat se is nicht ne hebbe; umme iewelke scult sunderliken. Svat man aver dar bewisen mach, dar ne mach ne weder man noch wif nene unscult vore dun.

§ 5

Svar tvene man oder dre to eneme herwede geboren sin, de eldeste nimt dat svert to voren, dat andere delet se gelike under sik.

 

 

Artikel 23.

We de kindere vormünde wesen sole.

Wes de vormünde plichtich si.

 

Vom rechten Vormunde und seinen Pflichten

§ 1

Svar de sone binnen iren jaren sin, ir eldeste evenburdige svert mach nimt dat herwede al ene, unde is der kindere vormunde dar an, wante se to iren jaren komet, so sal he't in weder geven, dar to al ir gut; he ne künne se bereden, war he't in ere Nutzen, Vorteil">bederf verdan hebbe, oder it ime roflike, oder van ungelücke unde ane sin scult geloset si. –

§ 2

Al si en kind to lenrechte to sinen jaren komen, sin rechte vormünde sal it doch an sineme gude vorstan to sineme bederve, unde sinem herren in des kindes stat na des kindes rechte denen, de wile it sik selve nicht bedenken kan van siner dorheit, oder kinheit, oder van unkraft sines lives. – Sve aver des kindes erve is, dem sal des kindes vormunde bereden von jare to jare des kindes gudes, unde ine des gewis maken, dat he is in unplicht nicht ne verdu, sint dat kint to sinen jaren komen is. Wende it is dicke ein der kindere vormünde, unde ein ander ir erve. Svar aver die vormünde is ok erve, die ne darf nemanne berekenen des kindes gut, noch bürgen setten. He is ok der wedewen vormünde bit dat se man nimt, of he ir evenburdich is.

 

 

Artikel 24.

Wat to morgengave, musdele, rade, erve hort.

§ 1

Was gehört zu Morgengabe

Na deme herwede sal dat wif nemen ire morgengave; dar hort to alle veltperde unde rindere unde czegen unde svin, die vor den hirde gat, unde tünete unde timber.

§ 2

Mustheil

Meste svin aver horet to der musdele, unde alle gehovet spise in iewelkeme hove irs mannes.

§ 3

Gerade und Erbe

So nimt se allet dat to der rade hort, dat sin alle scap unde gense unde kasten mit upgehavenen leden, al garn, bedde, pole, küssene, lilakene, dischlakene, dvelen, badelakene, beckene, lüchtere, lin unde alle wiflike kledere, vingerne, armgolt, tzapel, saltere unde alle büke die to godes deneste horet, die vrowen pleget to lesene, sedelen, lade, teppede, ummehange, rücgelakene unde al gebende. Dit is dat to vrowen rade hort. Noch is mangerhande klenode dat in gehort, al ne nenne ik is nicht sunderliken, als borste, schere, spegele. Al laken ungesneden to vrowen kleidere, unde golt unde silver ungewercht, dat ne hort den browen nicht. – Svat so boven dit benomde ding is, dat hort al to'me erve.

§ 4

Einlösung versetzter Nachlassachen

Svat so des ute stunt bi des doden mannes live, dat lose he of he wille, deme it durch recht horen sal.

 

 

Artikel 25.

Von des papen, mönkes rechte an dem erve.

We des begeven kindes gud behalden sal.

§ 1

Erbrecht des Pfaffen und des Mönchs

De pape delet mit dem bruder unde nicht die monik.

§ 2

Eintritt eines Unmündigen in ein Kloster

Monket man aver en kint binnen sinen jaren, it mut wol binnen sinen jaren utvaren, unde behalt lenrecht unde lantrecht.

§ 3

Eintritt eines Mündigen in ein Kloster

Begift sik aver en man, de to sinen jaren komen is, he hevet sik van lantrechte unde van lenrechte geleget, unde sine len sint von ime ledich, wende he den herschilt up gegeven hevet; deste man disses dinges getüch hebbe an den monicken, dar he begeven was oder an seven mannen siner genoten, de ine in dem levende hebbe gesien; al vare he ut binnen enem jare, alse grawer monecke recht stat.

§ 4

Eintritt eines Ehemannes in ein Kloster

Hevet aver he sik begeven ane sines echten wives willen, unde irvorderet se ine to senet rechte ut deme levende, sin lantrecht hevet he behalden unde nicht sine len, dere he af gestan is; wende en man mut wol sinen herschilt neder legen ane sines wives gelof.

§ 5

Vom Nachlass des gemönchten oder gestorbenen Kindes

Stirft en kint, oder begift man't binnen sinen jaren, sve sine varende have under ime hevet, de sal se antwerden jeneme, uppe den se irsterven mochte na sineme dode, se ne si mit sime willen verdan.

 

 

Artikel 26.

Wo monik unde nunne herscilt winnet.

 

Wenn Mönch oder Nonne den Heerschild gewinnen

Ältere Form:

Wirt en monik oder ene closter vrowe tu biscop oder tu abbatissen gecoren, so mogen si dat gurdel irer gewalt unde dat rechte ires gudes hebben van deme rike, aver dat werlike recht des nemen si nicht.

Jüngere Form:

Wirt en besloten nunne ebbedische, oder en monik biscope, den herscilt mogen se wol hebben von me rike; lantrecht ne irwervet se aver dar mede nicht.

 

 

Artikel 27.

Wo wif unde man von ritteres art tvier wegen ervet.

We nein herwede ervet.

§ 1

Frauen werden zwiefach beerbt

Iewelk wif erft tvier wegene: ir rade an ir nesten nichtelen, de ir von wifhalven is besvas, unde dat erve an den nesten, it si wif oder man.

§ 2

Ritterbürtige werden zwiefach beerbt

Iewelk man von ridderes art erft ok tvier wegene: dat erve an den nesten evenbürdigen mach, sve de is, unde it herwede an den nesten svert mach. Svelk man von ridderes art nicht n'is, an deme to stat des herschildes, de let hinder ime erve to nemene, svenne he stirft, unde nein herwede.

 

 

Artikel 28.

Of erve, herwede, rade ervelos irstirft.

 

Verfahren mit erblosem Gute

Svat süsgedanes dinges ervelos irstirft, herwede oder erve oder rade, dat sal man antwerden deme richtere oder deme vronen boden, of he't eschet, na deme drittegesten. Dit sal de richter halden jar unde dach unvordan unde warden, of sik ieman dar to tie mit rechte. Sint kere't de richter in sinen nut; it ne si of de erve gevangen si, oder in des rikes denist gevaren, oder in godes denst buten lande. So mut he sin warden mit dem erve, wente he weder kome, wande he ne kan sik an sinem erve de wile nicht versumen; dit is geredet van varender have.

 

 

Artikel 29.

Wanne sik de sasse, dat rike, svave versvigen mogen an irme rechte.

 

Von Verjährung

An egene unde an huven mach sik di sasse versvigen binnen drittich jaren unde jar unde dage unde er nicht. – Dat rike unde de svavee ne mogen sik nümmer versvigen an irme erve, de wile se't getugen mogen.

 

 

Artikel 30.

Erve untveit man na des landes rechte.

 

Man erbt in Sachsen nach des Landes Recht

Iewelk inkomen man untveit erve binnen deme lande to sassen na des landes rechte unde nicht na des mannes, he si beier oder svaf oder vranke.

 

 

Artikel 31.

Wat dat wif ervet bi ires mannes live.

Wat de man rechtes hebbe an sines wives gude.

Eheliches Güterrecht

§ 1

Man unde wif ne hebbet nein getveiet gut to irme live. Stirft aver dat wif bi des mannes live, se ne erft nene varende have wenne rade, unde egen, of se dat hevet, in den nesten. – Wif ne mach ok ires gudes nicht vergeven an ires mannes willen, dat he't dur recht dulden durve.

§ 2

Svenne en man wif nimt, so nimt he in sine gewere al ir gut to rechter vormuntscap; dar umme ne mach nen wif ireme manne nene gave geven an irme egene, noch an irer varende have, dar se't iren rechten erven mede verne na irme dode; wende die man ne mach an sines wives gude nene andere were gewinnen, wen alse he to dem irsten mit ire untvieng in vormuntscap.

 

 

Artikel 32.

Wo dat wif ir liftucht verliesen mach

unde to egen nicht behalden mach.

 

Von Anmassung der Leibzucht als Eigen

Nein wif ne mach ok to egene behalden ire liftucht, noch ir erve na ireme dode, de wile man dat getügen mach, dat it ire to irme live gegeven si. Sprikt se, dat it ir egen si, unde wirt se dar af gewiset mit rechte; se hevet beide egen unde liftucht dar an verlorn.

 

 

Artikel 33.

Von des kindes rechte, dat na des vader dode geboren wirt.

 

Vom Kinde, das nach des Vaters Tode geboren wird

Nu vernemet umme en wif die kint dreget na irs mannes dode, unde sik barehaft bewiset to der bigraft oder to me drittegesten: wirt dat kint levendich geborn, unde hevet de vrowe des getüch an vier mannen de't gehort hebbet, unde an tven wiven de ire hulpen to irme arbeide, dat kint behalt des vader erve; unde stirft it dar na, it erft up de muder, of sie ime evenbürdich is, unde brict al gedinge an des vader lene, wend'it levede na des vader dode, so werdit de len den herren ledich, of it kint bewist wirt unde gesen also grot, dat it lifhaftich mochte wesen. Wirt it aver to der kerken gebracht openbare, sve it siüt unde hort, de mut sines lives wol getüch wesen.

 

 

Artikel 34.

Wo man egen geven mach ane des richteres orlof.

Wo man't weder to lene untveit.

Of dat de richtere irret.

 

§ 1 und 3: Auflassung von Eigen

§ 1

Ane des richteres orlof mit en man sin egen wol vergeven in ervengelof, deste he's behalde ene halve hüve unde ene word, dar man enen wagen uppe wenden moge; dar af sal he deme richtere sines rechten plegen.

§ 2

Lehnsauftragung

Svelk man sin gut gift unde dat weder to lene untveit, dem herren hilpt de gave nicht, he ne behalde dat gut in sinen ledichliken geweren jar unde dach. Sint mach he't sekerliken jeneme weder lien, so dat he, noch nen sin erve, nen egen dar an bereden mach.

§ 3

Irret de richtere mit unrechte, dat de man sin egen nicht geven ne mut, svenne de koning uppe sessische art kumt, vor ime mut he't wol geven, alse he vor deme richtere solde, deste man des getüch hebbe, dat it de richtere to unrechte geerret hebbe.

 

 

Artikel 35.

Von begraven scatte. Von silvere to werkene.

§ 1

Recht am Schatze

Al schat under der erde begraven deper den ein pluch ga, die hort to der koningliken gewalt.

§ 2

Recht an Silbererz

Silver ne mut ok neman breken up enes anderen mannes gude, ane des willen des de stat is; gift he's aver orlof, de vogedie is sin dar over.

 

 

Artikel 36.

Von kindere to vro unde to spade geboren.

§ 1

Vom Kinde, das zu früh geboren wird

Svenne dat wif erst man nimt, wint se kint er erer rechten tiet, dat dat kint leven moge, man mach it bescelden an sime rechte, went it to vro geborn is.

§ 2

Vom Kinde, das zu spät geboren wird

Wint ok en wif kint na irs mannes dode na irer rechten tiet, man mach it ok beschelden, wend'it to spede geborn is.

 

 

Artikel 37.

Von behurunge eines mannes wif.

Von wives oder maget nodunge.

 

Von der Ehe mit einer Entehrten

Sve so enes mannes wif behuret openbare, oder wif oder maget nodeget, nimt he se dar na to echte, echt kint ne wint he nimmer bi ere.

 

 

Artikel 38.

We rechtlos sin.

War umme man dem manne egen unde len verdele.

Wo de unechte man sin recht weder winne.

 

§ 1

Wer ist rechtlos

Kempen unde ir kindere, spelüde, unde alle die unecht geborn sin, unde die diüve oder rof sünet oder weder gevet, unde se des vor gerichte verwunnen werdet, oder die ir lif oder hut unde har ledeget, die sint alle rechtlos.

§ 2

Verfahren mit dem Gute des rechtlosen Geächteten

Die ok jar unde dach in des rikes achte sin, die delt man rechtlos, unde verdelt in egen unde len, dat len den herren ledich, dat egen in die koningliken gewalt. Ne tiet de erven nicht ut ut der koningliken gewalt binnen jar unde dage mit irme ede, se verleset it mit sament jeneme, it ne neme in echtnot, dat se nicht vore komen ne mogen; de echten not sal man bewisen alse recht is. – Dienest manne egen ne mach in de koningliken gewalt nicht komen, noch buten irs herren gewalt, of se sik verwerket an irme rechte.

§ 3

Wie gewinnt er sein Recht wieder

Echte kindere ne mach de unechte man seder mer nicht gewinnen, he ne diustere vor des keiseres schare, dar he enen anderen koning mit stride bestat; so wint he sin recht weder unde nicht sin gut, dat ime verdelt is.

 

 

Artikel 39.

We dat glogende iseren dragen solen.

 

Vertheidigung der Rechtlosen mit Gottesurtheil

De ir recht mit rove oder mit düve verloren hebbet, of man se düve oder roves anderwerve scüldeget, se ne mogen mit irme ede nicht unscüldich werden. Se hebbet drier kore: dat glogende isern to dragene, oder in enen wallenden ketel to gripene bit to dem ellenbogen, oder deme kempen sik to werene.

 

 

Artikel 40.

Von des trüwelosen rechte.

 

Strafe der Treulosen und Heerflüchtigen

Sve so trüwelos beredet wert, oder herevlüchtich ut des rikes denste, dem verdelt man sin ere unde sin lenrecht, unde nicht sin lif.

 

 

Artikel 41.

Of maget oder wedewe klaget over iren vormünden.

 

Von Absetzung der Vormünder

Klaget maget oder wedewe to lantrechte over iren vormünden, dat he se untweldige egens oder lenes oder liftucht, unde wirt he dar umme vorgeladet to dren dingen, unde ne kumt he nicht vore in me dridden dage rechtes to plegene, man sal ine balemünden, dat is, man sal ime verdelen al vormuntscap. Sint si de richtere der vrowen vormünde, unde geweldege se von gerichtes halven irs gudes, des se untweldeget was.

 

 

Artikel 42.

To welker tiet de man vormünden hebben mut.

Wanne he ine bringen sal.

Wanne de man to sinen dagen unde over sine dage komen si.

Wanne en kind vormünde wesen mach.

 

§ 1

In welchem Alter bedarf man Vormundes

Er sinen dagen unde na sinen dagen mut en man wol vormunden hebben, ob he's bedarf, unde mut is wol untberen of he wel. – Sve sines vormünden to hant nicht ne hevet, de sal ine bringen to me nesten dage, de ut geleget wirt von gerichtes halven umme sine klage. – Over ein unde tvintich jar so is de man to sinen dagen komen. Over sestich jar is he boven sine dage komen, alse he vormünden hebben sal of he wel, unde ne krenket dar mede sine bute nicht noch sin weregelt. Svelkes mannes alder man nicht ne weit, hevet he har in dem barde unde nidene unde under iewederme arme, so sal man weten dat he to sinen dagen komen is.

§ 2

In welchem Alter mag man Andrer Vormund sein

Svenne en kint to sinen jaren kumt, so mut it wol vormünde sines wives sin, unde dar to sves it sal of it wel, unde san to kampe wart, al si't binnen sinen dagen; wend als it sik selven mut vore stan, also mut it sine mundelen wol vore stan.

 

 

Artikel 43.

Wan man den vrowen vormünden geven sal.

 

Gerichtsvormund der Frauenzimmer

An notnumfteger klage, dar se nicht to kampe ne gat, mut de richtere wol vormunden geven den vrowen, unde in allen hanthaftegen daden, dar se irs rechten vormunden nicht ne hebbet to hant. Gat aver de klage to kampe wart, so mut wol ir vormunde sin en iewelk ir evenbürdige svert mach.

 

 

Artikel 44.

Wanne de richter de vrowen vormünden sal.

 

Gerichtsvormund der Frauenzimmer

Klaget ok maget oder wedewe to lantrechte over iren rechten vormunden, dat he ir ire gut neme, to der klage sal se dat gerichte vormunden, unde dar ir ire man gift egen in ursale, oder to irme live.

 

 

Artikel 45.

Wan dat wif des mannes recht hebbe.

Wat dat wif ane ires mannes lof nicht dun moge.

 

Von rechter Vormundschaft des Mannes und des

Schwertmagen über Frauenzimmer

§ 1

Al ne si en man sime wive nicht evenburdich, he is doch ire vormünde, unde se is sin genotinne, unde trit in sin recht, svenne se in sin bedde gat. Svenne he aver stirft, so is se ledich von sime rechte, unde behalt recht na irer bord; dar umme mut ir vormünde sin ir neste evenbürdige svert mach, unde nicht ires mannes.

§ 2

En wif ne mach ok ane irs mannes gelof nicht ires gudes vergeven, noch egen verkopen, noch liftucht uplaten, durch dat he mit ir in den geweren sit. Megede aver unde ungemannede wif verkopen ir egen an irs vormünden gelof, he ne si dar erve to.

 

 

Artikel 46.

Wure umme megede unde wif vormünden

hebben solen an irer klage.

 

Frauenzimmer bedürfen Vormundes bei Klagen

Megede unde wif muten aver vormunden hebben an iewelker klage, dur dat man se nicht vertügen ne mach, des se vor gerichte spreket oder düt.

 

 

Artikel 47.

Wes der vrowen vormunden plichtich sin.

§ 1

Amt des rechten Geschlechtsvormundes

Svar it den vrowen to eden komet, die solen sie selve dun, unde nicht ir vormünde. Ir rechte vormünde sal ok gewere vor se loven unde untvan unde lesten.

§ 2

Amt des gegebenen Geschlechtsvormundes

De vormunde von gerichtes halven sal ok gewere vor se loven unde untvan, unde seder nene not dar umme liden, wenne dat he der warheit bekenne, svenne he's von gerichtes halven gevraget werde; wende sin vormuntscap ne weret nicht lengere, wenne als dat gerichte geweret. To iewelkeme dinge mit de richtere wol sunderlike vormünden geven.

 

 

Artikel 48.

We vormünden darven sal.

We sik met kempen weren mute.

Wo man enen doden weren moge.

Wene man mit kempen nicht bereden mach.

§ 1

Rechtlose darben Vormundes

Alle die unecht geboren sin, oder de sik rechtlos gemaket hebbet, die ne mogen nenen vormünden hebben an ir klage, noch an irme kampe.

§ 2

Vormundschaft der Lahmen zu Kampf

Lame lüde soln ok antwerden unde klagen ane vormünden; it ne si dat de klage to kampe ga, dar si ire vormünde ein ir evenbürdige svert mach, sve he si, de't dun wille. Ne mach die lame man, of man ine to kampe grot, sines rechten vormunden nicht hebben, unde darn he dar sin recht to dun, he gewint to vormunden, sve't vor ine dun wille, oder svene he mit penningen gemeden mach, al moge man sinen rechten vormünden bewisen.

§ 3

Vertheidigung und Beschuldigung mit Kämpfern

Weret aver he sik mit kempen, jene mach ine wol bereden mit kempen, al ne hebbe he ine mit kempen to irst nicht an gesproken, unde ne scadet ime to sime rechte nicht. Alsüs mut man enen doden ok wol weren, of man ine bereden wel. – Mit kempen mak sik en man wol weren alsus. Mit kempen ne mach aver he enen unbesculdenen man an sime rechte nicht bereden.

 

 

Artikel 49.

Of ein wundet man kempen nicht mach.

 

Wenn ein Verwundeter den Thäter mit Kampf anspricht

Sprikt en gewundet man den to kampe an, de ine gewundet hevet, unde ne mach he vor unkraft sines lives denne dat kamp nicht vulbringen, unde ne hevet he nenen vormünden, die't vor ime dun wille, man sal ime degedingen went an de tiet, dat he selve sin kamp vulbringen moge.

 

 

Artikel 50.

Of man enen doden vor gerichte to

enem vredebrekere nicht beredet.

 

§ 1

Von nicht durchgeführter Friedebruchsklage

Sve ok den anderen wundet oder dodet, unde en gevangen vor gerichte voret, unde ine to eneme vredebrekere bereden wel, ne vulkumt he's nicht, he is selve verwunnen des ungerichtes, des he an ime gedan hevet.

§ 2

siehe Artikel 48

§ 3

Vertheidigung und Beschuldigung mit Kämpfern

Al si ok en man speleman oder unecht geboren, he n'is doch dieves noch roveres genot nicht, alse man kempen up ine leden moge.

 

 

Artikel 51.

Von echtloser lüde rechte. Wene man an siner bord nicht scelden mach.

Wanne de scepenbar vri sin hantgemal unde sine vier anen nümen sal.

 

§ 1

Unterschied der Recht- und Echtlosen

It is menich man rechtlos de nicht n'is echtlos; wende en rechtlos man mut wol elik wif nemen unde kindere bi ire gewinnen, die ime evenburdich sin; die muten ok wol sin erve nemen, unde irer muder also, wende sie en evenburdich sin; se ne tveien von in mit egenscap. – Echt man noch echt wif ne nimt ok unechtes mannes erve nicht.

§ 2

Von mancherlei Kindern einer Frau

Man seget dat nen kint siner muder keves kint ne si, des n'is doch nicht. Ein wif mach winnen echt kint, adel kint, egen kint unde keves kint. Is se egen, man mach se vri laten; is se keves, se mach echten man nemen, unde mach kindere immer dar binnen gewinnen.

§ 3

Wer kann an seiner Geburt nicht bescholten werden

Svelk man von sinen vier anen, dat is von tven eldervaderen unde von tven eldermuderen, unde von vader unde muder umbesculden is an sime rechte, den ne kan neman bescelden an siner bord, he ne hebbe sin recht vorwarcht.

§ 4

Wie spricht man einen Schöffenbaren zu Kampf an

Svelk scepenbare vri man enen sinen genot to kampe an sprikt, die bedarf to wetenne sine vier anen unde sin hantgemal, unde die to benomene, oder jene weigeret ime kampes mit rechte.

§ 5

Von unrechter Ansprache zu Kampf

Sve sik des anderen to kampe underwint, untgat he ime mit rechte, he mut ine mit bute laten.

 

 

Artikel 52.

Wo, wanne ein man sin gut geven mach.

Vor welk des mannes gut dat wif antwerden sole.

 

§ 1-3: Was mag ein Mann und wie mag ers vergeben

§ 1

Ane erven gelof unde an echt ding ne mut nieman sin egen noch sine lüde geven. Doch weslet die herren ire dinstman wol ane gerichte, of man de wederwesle bewisen unde getügen mach. Gift he't weder rechte sunder erven gelof, die erve underwinde's sik mit ordelen, als of he dot si jene de't dar gaf, so he's nicht geven ne mochte.

§ 2

Alle varende have gift de man ane erven gelof in allen steden, unde let unde liet gut, al de wile he sik so vermach, dat he begort mit eme sverde unde mit eme scilde up en ors komen mach, von enem stene oder stocke ener dum elne ho, sunder mannes helpe, deste man ime dat ors unde den stegerep halde. Svenne he disses nicht dun ne mach, so ne mach he geven noch laten noch lien, dar he't jeneme mede geverne, de is na sineme dode wardende is.

§ 3

Svat aver he iemanne genomen hevet mit unrechte, dat mut he ime wol weder laten in sine gewere, dar ne mach jene denne nene gave anspreken, mer so gedan recht, alse he dar an hadde, er't ime genomen wurde.

§ 4

Inwieweit stehen Frau und Gesinde für des Mannes Handlungen ein

Sve binnen siner süke sine have vergift oder ut sat to der teit, alse he's nicht dun ne sal, dat wif unde dat ingesinde ne sal dar niman umme scüldegen, wen se ne müsten des mannes gave nicht weder spreken, sie si recht oder unrecht. Gift man iemanne icht mit unrechte, dat vordere man mit rechte weder uppe den, dem it gegeven is. – It wif ne antwerdet vor nen des mannes gut, wenne vor dat, dat under ire irsturven is.

 

 

Artikel 53.

Umme welke sake die man wedden sole.

Wo de man ane bute blift, of he von klage wiset wert umme gut.

Wene, wanne de vrone bode panden sole.

Wat man mit dem pande dun sal.

Wo man umme ene dat tvie weddet.

 

§ 1 und 2: Wann wettet man dem Richter

§ 1

Sve so nicht ne volget, alse man dat gerüchte scriet, oder sin klage na rechte nicht ne vulvorderet, oder enen man to kampe ved, de ime mit rechte untgat, oder to utgelegedeme dinge to tiden nicht ne kumt, oder it al versumet, oder of he binnen dinge icht sprikt oder dut weder recht, oder ne gilt nicht gewunnene scult binnen dinge; umme iewelke disse sake weddet he deme richtere; unde umme alle scult, dar de man sine bute mede gewint, dar hevet die richtere sin gewedde an. – Doch weddet man deme richtere dicke umme untucht, die man dut binnen dinge, dar die klegere, noch die uppe den die klage gat, nene bute anne wint.

§ 2

Sprikt die man gut an, unde klaget he dar up, unde wirt he mit rechte dar af gewiset, he blift is ane bute unde ane wedde, de wile he's sik nicht underwint.

§ 3

Wann mag der Frohnbote pfänden

Sve gewedde unde bute nicht ne gift to rechten dagen, de vrone bode sal en dar vore panden, unde sal it to hant utsetten oder verkopen vor de scult. Nicht ne mut ok de vrone bode panden, he ne werde mit ordelen dar to gewunnen.

§ 4

Wann wettet man um eine Sache zwiefach

Neman ne weddet umme ene sake tvies, he ne breke den vrede unde ne sculde bannes an ener dat, de mut wedden to geistlikeme rechte unde to werlikeme rechte, unde gift ene bute jeneme den he geseret hevet.

 

 

Artikel 54.

Wat de tinsman sole dulden unde müte dun.

Wo man tins gelden, panden sole.

 

Rechte des Zinsherrn und des Zinsmannes

§ 1

It ne sal nen tinsman vor sinen herren pand dulden boven sinen tins, den he jarlikes geven sal.

§ 2

Sve sinen tins to rechten dagen nicht ne gift, tvigelde sal he ine geven des anderen dages, unde alle dage also, de wile he ine under ime hevet, deste ime die herre mit rechten ordelen volge, unde ine to sineme huse esche; wende man n'is nicht plichtich sinen tins buten sin hus to gevene.

§ 3

Tins mut de herre, oder sin bode de dat lant bestadet, bat behalden, den is de man besaken moge, unde tegeden dat selve an deme gude, dar die man uppe sit. Seget de man aver dat he vergulden hebbe, dat mut he vulbringen selve dridde, de dat sagen unde horden dat he vergulden hebbe, of man's ime besaken welle.

§ 4

Die herre mut wol panden uppe sime gude umme sin geld, dat man ime von sime gude gelovet hebbet, ane des richteres orlof.

§ 5

Nen tinsman ne mut ok stengruve noch lemgruve graven ane sines herren orlof, des tinsman he is, noch holt howen noch roden uppe sime tinsgude, it ne si sin erve tinsgut.

 

 

Artikel 55.

We richtere sin moge.

§ 1

Ursprung weltlicher Gerichtsbarkeit

Al werlik gerichte hevet begin von kore; dar umme ne mach nen sat man richtere sin noch neman, he ne si gekoren oder belent richtere.

§ 2

Vom Richter der handhaften

That Bejegenet aver en hanthaftich dat von düve oder von rove, dar en man mede begrepen wirt, dar mut man wol umme kesen enen gogreven, to minnest von dren dorpen, die gaen dat to richtene, of man des belenden richteres nicht hebben ne mach.

 

 

Artikel 56.

An welkem richte nein recht len is.

 

Von Verleihung und Vererbung des Gografenamts

An goscap n'is mit rechte nen len noch nen volge, wend'it is der lantlüde vri wilkore, dat se gogreven kesen to iewelker gaen dat oder to bescedener tiet. Liet se en herre aver, he sal dar lenrechtes sinen manne unde sinen kinderen af plegen, it ne breken in beiden die lantlüde mit irme rechten kore.

 

 

Artikel 57.

Welk richter vernachtet ungerichte nicht richten mut.

 

Vom Richter der übernächtigen

That Ne wirt en dief oder en rovere binnen dage unde binnen nacht nicht verwunnen, so ne hevet de gogreve nen gerichte dar an; so sal dat richten die belende richtere. Dit is geredet umme den gogreven, den man küset to eme ungerichte in der hanthaften dat, to richtene des selven dages.

 

 

Artikel 58.

Welken gogreven de greve belenen sole.

Wanne iewelkes nederen richteres gerichte neder legen sole.

 

§ 1

Vom Gografen zu langer Zeit

Sven man aver küset to langer tiet, den sal die greve oder die markgreve belenen; vor deme gift men achte; die mut ok wol overnachtich ungerichte richten.

§ 2

Des höhern Richters Gegenwart legt die Gewalt des niedern

Svenne die greve kumt to des gogreven dinge, so sal des gogreven gerichte neder sin geleget. Also is des greven, svenne die koning in sine grafscap kumt, dar se beide to antwerde sin. Also is iewelkes richteres, dar die koning to antwerde is, die klage ne ga denne uppe den koning.

 

 

Artikel 59.

Wur de richter richten müte.

We bi koninges banne nicht dingen mut.

Wat de verboret, de bi koninges banne dinget, de is nicht hevet.

Wo vele koninges banne in ene vogedige wesen müten.

Ane wene de richtere bi koninges banne nen echt ding hebben moge.

§ 1

Vom Richten unter Königsbann

Allerhande klage unde al ungerichte mut de richtere wol richten binnen sime gerichte, svar he is, ane of man up egen klaget, oder up enen scepenbaren vrien man ungerichte claget. Des ne mach die richtere nicht richten wan to echter dingstat unde under koninges banne. – Bi koninges banne ne mut neman dingen, he ne hebbe den ban von deme koninge untvangen. Sve den ban enes untfet, he ne darf ine anderwarve nicht untvan, of die koning stirft. Binnen ener vogedie ne mach nen koninges ban sin sunder ein. Sve bi koninges banne dinget die den ban nicht untvangen hevet, de sal wedden sine tungen.

§ 2

Vom Hegen des Gerichts

It ne mach nen richtere, de bi koninges banne dinget, echt ding hebben ane sinen scultheiten, vor deme he sik to rechte beden sal. Dar umme sal he den scultheiten des irsten ordeles vragen, of it ding tiet si, unde dar na, of he verbeden mute dingslete unde unlust. Svenne eme dat gevunden wirt, so klage manlik dat ime wirre mit vorspreken, durch dat he sik nicht ne versume.

 

 

Artikel 60.

Von vorspreken to unberen, to gevene, weigeren to wesene.

Wor de man rechtes plegen sole.

§ 1

Von der Pflicht einen Vorsprechen zu nehmen

Sunder vorspreken mut wol klagen en man unde antwerden, of he sik scaden getrosten wel, die ime dar an bejegenen mach, of he sik vorsprict, des he sik nicht erhalen ne mach, alse he bi deme vorspreken wol mut, die wile he an sin wort nicht ne jet.

§ 2

Von der Pflicht, Vorspreche zu sein

Die richtere sal tu vorspreken geven, svene man aller erst bedet, unde nenen anderen, he ne werde des ledich mit rechte. Vorspreke ne mach nieman weigeren to wesene binnen deme gerichte, dar he wonehaft is, oder gut binnen hevet, oder dar he recht vorderet, ane uppe sinen mach unde uppe sinen herren oder uppe sinen man, of ime die klage an sin lif oder an sin gesunt oder an sin recht gat.

§ 3

Von der Pflicht, Rechtes zu pflegen und zu helfen

Svar die man recht vorderet, dar sal he rechtes plegen unde helpen.

 

 

Artikel 61.

Wanne de kleger burgen setten sole.

Wie selve burge sin sal.

Of tvene man vorspreken biddet oder klaget to male.

We vorspreke wesen mach.

§ 1

Wann und wie stellen die Partheien Sicherheit

Nen klegere ne darf bürgen setten, er die klage gedaget wirt. Sve nenen burgen hebben ne mach, dar he ok nen erve ne hevet, den sal de vrone gewalt behalden, of he um ungerichte klaget, oder die klage up ene gat.

§ 2

Collision ihrer Anträge

Biddet tvene man vorspreken to male, dat stat an me richtere, welk irme he ne erst geven wille. Klaget si okto male, dat stat an me richtere, welk iren he er horen wille, it ne si, dat ir en die eren klage getügen moge.

§ 3

Vom Stammelnden

Die stamere man, of he misse sprict, he mut sik wol erhalen; versumt he ienegen man des vorspreke he is, die mut sik wol irhalen mit eneme anderen vorspreken.

§ 4

Eigenschaften

Iewelk man mut wol vorspreke sin binnen deme lande to sassen to lantrechte, sunder papen, den man an sime rechte nicht bescelden ne mach. Burgen mut aver he setten, dar he nen erve ne hevet, vor des richteres gewedde unde vor bute, of he si verboret, unde nicht er.

§ 5

Amt des Vorsprechen

Sven en man to vorspreke nimt, die mut sin wort wol spreken um alle die klage, die man up ine klaget, unde die he to klagene hevet, de wile he ime mit rechte nicht benomen ne wirt, oder er en des anderen nicht af ne gat.

 

 

Artikel 62.

Wo man den man to klage dvingen unde nicht dvingen mach.

Wes dat getogen sverd si.

Wo die man an siner klage ane scaden blive.

Wanne man tüges vulkomen sole.

Von des richteres vrage.

Welk ordel man erst vinden sal.

Wo dicke, wo lange die man in gespreke wesen mute.

Wur gerichte si. Wat de man spreken moge ane sinen vorspreken.

 

Regeln über das Verfahren vor Gericht

§ 1

Man ne sal niemanne dvingen to nener klage, der he nicht begunt ne hevet. Manlik mut sines scaden wol svigen de wile he wel. Scriet aver he dat gerüchte, dat mut he vulvorderen mit rechte, wende dat gerüchte is der klage begin.

§ 2

Sve sin svert tiut up enes anderen scaden, dat svert sal des richteres sin.

§ 3

Umme blot gerüchte weddet en man dre scillinge, of he ime nicht ne volget na rechte.

§ 4

Vulvorderet aver he sine klage na rechte ane kamp, unde untgat ime jene mit siner unscult, he blift is ane scaden, he ne hebbe ine kempliken angesproken.

§ 5

Ne wet he des vredebrekeres namen nicht, he beklage ine unbenomet.

§ 6

Tüges sal man over ses weken vulkomen, des sik die man anematet, oder to hant of he wel. Sal man aver egen getügen, dat mut to hant oder to me nesten dinge geschin.

§ 7

Die richtere sal immer den man vragen, of he an sines vorspreken wort je, unde sal ordeles vragen tvischen tvier manne rede. Vraget ha na sineme mutwillen unde nicht na rechte, dat ne scadet noch ne vromet ir newederme.

§ 8

Svelkes ordeles man irst bedet, dat sal man irst vinden.

§ 9

Beide klegere unde uppe den die klage gat, die muten wol gespreke hebben umme iewelke rede dries, also lange wente se die vrone bode weder in lade.

§ 10

In allen steden is gerichte, dar die richtere mit ordelen richtet.

§ 11

Openbare ne sal die man vor gerichte nicht spreken, sint he vorspreken hevet; mer vraget in die richtere, of he an sines vorspreken wort je, he mut wol spreken ja oder nene, oder gesprekes bidden.

 

 

Artikel 63.

Von dem kampe.

We dem anderen kampes weigeren mach.

 

Vom gerichtlichen Zweikampfe

§ 1

Sve kampliken grüten wille enen sinen genot, die mut bidden den richtere, dat he sik underwinden mute enes sines vredebrekeres to rechte, den he dar se. Sven ime dat mit ordelen gewist wirt, dat he't dun mute, so vrage he wo he sik sin underwinden sole, als it ime helpende si to sime rechte. So vint man to rechte, getolike bi me hovetgate. Svenne he sik sin underwunden het, unde ine mit orlove gelaten hevet, so sal he ime kündegen, war umme he sik sin underwunden hebbe, dat mach he dun to hant of he wel, oder gespreke dar umme hebben. So mut he in scüldegen, dat he den vrede an eme gebroken hebbe, entweder uppe des koninges strate, oder in deme dorpe; to swelker wis he ine gebroken hebbe, to dere wis klage he up ine. So scüldege he ine aver, dat he ine gewunt hebbe, unde de not an ime gedan hebbe, de he wol bewisen moge. So sal he wisen de wunden, oder den naren of se heil is. So klage he vort, dat he ine berovet hebbe sines gudes, unde ime des genomen hebbe also vele, dat it nicht undürer ne si, it ne si wol kampwerdich. Disse drü ungerichte sal he to male klagen. Svelk ere he versviget, he hevet sin kamp verlorn.

§ 2

So spreke he vort: dar sach ik selve en selven, unde bescriede'ne mit deme rüchte; wil he's bekennen dat is me lif, unde ne bekant he's nicht, ik wille's ene bereden mit al dem rechte, dat me dat lantvolk irdelt, oder de scepenen of it under koninges ban is. So bidde jene ener gewere, die sal man ime dun. Doch mut de man sine klage wol beteren vor der gewere. Svenne die gewere gedan is, so biut jene sin unscult, dat is en eid unde en echt kamp, of he ine to rechte gegrot hevet, unde of it dar is, ik mene, of he't vor lemesle vulbringen mach.

§ 3

Iewelk man mach kampes weigeren deme, de wers geboren is denne he. Die aver bat geboren is, den ne kan die wers geborne nicht verlecgen mit der beteren gebord, of he en ansprict. Kampes mach ok en man weigeren, of man ine grot na middage, is ne were er begunt. Die richtere sal ok plegen ens schildes unde enes sverdes deme, den man scüldeget, of he's bedarf. Kampes mach ok en man sinen mage beweren, of se beide sine mage sin, deste he dat selve sevede gewere uppe'n hilgen, dat se also na mage sin, dat se durch recht to samene nicht vechten ne solen.

§ 4

De richtere sal tvene boden geven ir iewederme die dar vechten solen, die dat sen, dat man se gerwe na rechter wonheit. Leder unde linen ding muten se an dun, alse vele alse se willet. Hovet unde vüte sint in vore blot, unde an den henden ne solen se nicht wen dunne hantzeken hebben; en blot svert in der hant, unde en umme gegort oder tvei, dat stat an irme kore; ene senewolden schilt in der anderen hant, dar nicht denne holt unde leder an ne si, ane die bokelen, die mut wol isern sin; enen rik sunder ermelen boven der gare. Vrede sal man deme warve biden bi me halse, dat se nieman ne irre an irme kampe. Ir iewederme sal de richtere enen man geven, de sinen bom drage; die ne sal se nichtes irren, wen of ir en valt dat he den bom understeke, oder of he gewunt wirt, oder des bomes bedet; des selven ne mut he nicht dun, he ne hebbe's orlof van me richtere. Na deme dat deme warve vrede geboden is, so solen se des warves to rechte geren, den sal en die richtere orloven. Ortiserne solen se von den svertsceiden breken, se ne hebben's orlof von me richtere. Vor den richtere solen se beide gegerwet gan unde sveren, die ene: dat die scult war si, dar he ine umme beklaget hevet; unde die andere: dat he unscüldich si, dat in got so helpe to irme kampe. Die sunnen sal man in gelike delen, alse irst to samene gat. Wirt die verwunnen uppe den man sprict, man richtet over ine. Vichtet he sege, man let ine mit gewedde unde mit bute.

§ 5

Die klegere sal irst in den warf komen; of die andere to lange in irret, die richtere sal ine laten vore eschen den vronen boden in deme huse, dar he sik inne gerwet, unde sal tvene scepenen mede senden. Süs sal man ine laden to deme anderen unde to deme dridden male. Ne kumt he to der dridden ladunge nicht vore, die klegere sal up stan, unde sik to kampe bieden, unde sla tvene slege unde enen steke weder den wint. Dar mede hevet he jenen verwunnen sogedaner klage, alse he ine an gesproken hevet, unde sal ime die richtere richten, alse of he verwunnen were mit kampe.

 

 

Artikel 64.

Wo man enen doden verwinnet, den man in ungerichte geslagen hevet.

 

Ueberführung eines erschlagenen Verbrechers

Süs sal man ok verwinnen enen doden, of man ine in düve oder in rove oder in sogedanen dingen geslagen hevet. Mach aver he den doden mit seven manne tüge verwinnen, so ne darf he sik to kampe nicht bieden jegen ene. – Büt aver en des doden mach, sve he si, ine vortustande mit kampe, die verleget allen tüch, wende so ne mach man ine ane kamp nicht verwinnen, he ne si vervest.

 

 

Artikel 65.

We to kampe vangen wirt unde nicht vore kumt von sinen bürgen.

We rechtlos is.

Wanne man weregelt gelden sal unde ander scult.

Wo man vergulden scult tügen sal.

 

§ 1

Ueberführung des zum Kampf nicht Erscheinenden

Also hir vore geseget is, also verwint man den ok, die to kampe gevangen unde gegrot is, unde lovet oder burgen sat vore to komene, unde nicht vore ne kumt to rechten degedingen.

§ 2

Von Rechtlosen

Sve lief eder hant ledeget, dat ime mit rechte verdelt is, die is rechtlos.

§ 3

Vom Bürgen für einen Verbrecher

Sve so ok borget enen man um ungerichte vor to bringene, of he en nicht vorbringen ne mach, he mut sin weregelt geven, unde ne scadet deme to sime rechte nicht, die ine geborget hadde.

§ 4

Wann ist Wergeld und andre Schuld zu bezahlen

Weregelt gilt man over tvelf weken von der tiet, dat it gewunnen wirt. Alle scult mut man wol gelden, deme man se gelden sal, er deme dage, dat man se gelden solde; deste man se gelde in der stat, dar se jene, deme man se gelden sal, umbekomeret dennen bringen moge. Des sal aver he getüch hebben of he's bedarf an tven mannen, die dat sagen dat he vergalt, oder to geldene bot mit silver oder mit penningen genge unde geve do, unde is jene weigerde mit unrechte to nemen do.

 

 

Artikel 66.

Wo man de hanthaften dat unde de dat der vestinge tügen sal.

Welk vestinge an den lif nicht gat.

 

§ 1

Ueberführung des in der That Ertappten

Svene man mit der hanthaften dat veit, also, alse he gevangen wirt, also sal man ine vor gerichte bringen, unde selve sevede sal ine die klegere vertügen.

§ 2

Ueberführung des Verfesteten

Also dut man den vervesten man, of man die dat getücht, dar umme he vervest wart.

§ 3

Dessen Verurtheilung

Doch ne sal man niemanne verdelen sin lief mit der vestinge, noch mit der achte, dar he nicht mit namen inkomen is.

 

 

Artikel 67.

Of man ungerichte klaget, oder ander

klage up den de dar nicht is.

 

§ 1

Fristen für den nicht gegenwärtigen Beklagten

Svene man vor gerichte beklaget, n'is he dar nicht, man sal ime degedingen to me nesten dinge. Svene man aver beklaget um ungerichte, deme sal man degedingen dries, immer over virtennacht. Klaget man ungerichte over enen vrien scepenbaren man, deme sal man degedingen dries, immer over ses weken under koninges banne unde to echter ding stat.

§ 2

Folgen des Ungehorsams bei peinlicher Klage

Sve nicht vore ne kumt to deme dridden degedingen, den vervest man.

 

 

Artikel 68.

Umme welke klage man den man vervesten sole.

Wat de verveste man liden sole, of he gevangen wirt.

 

§ 1-4: Gründe der Verfestung

§ 1

Umme anders nene klage ne sal man den man vervesten, ane umme die, die an dat lief oder an die hant gat.

§ 2

Sve aver den anderen mit knüppelen sleit, so dat ime die slege svellet, oder sve den anderen blutrunnich maket ane vleischwunde, klaget he dat deme richtere, oder deme vronen boden, oder dem burmeistere unde den buren, unde bewiset he dat in der verschen dat, unde ne kumt jene nicht vore binnen sinen rechten degedingen sik to untredene, oder to beterende na rechte, man sal ine vervesten.

§ 3

Mit der bludegen wunde ane vleischwunde, oder san mit deme naren der wunde, unde mit kempliken worden mach en man den anderen to kampe van.

§ 4

Ane vleischwunde mach ok en man den anderen doden, oder lemen mit slegen oder mit stoten oder mit werpene, unde anders to maneger wis, dar he sine hant oder sinen lif an verboret, unde der vestunge scult.

§ 5

Wirkung der Verfestung

Umme svelkerhande scult die man vervest wert, wirt he binnen der vestinge gevangen unde vor gerichte gebracht, it gat ime an den lief, of he der dat unde der vestinge vertücht wirt. Tiüt aver he sik ut der vestinge, unde kumt he ungevangen vor gerichte, he kumt to sime rechte, als of he nie vervest ne wurde.

 

 

Artikel 69.

We enen doden oder verwunden man vor gerichte nicht verwint.

 

Strafe dessen, der die Friedebruchsklage nicht durchführt

Sve ok enen doden oder enen gewundeden man gevangen vor gerichte vort, unde ine to enen vredebrekere bereden wel mit kampe oder ane kamp, ne beredet he sin nicht, man sal over ine richten na vredes rechte.

 

 

Artikel 70.

We uppe gut geklaget hevet (to) dren dingen.

Klaget man umme scult over den, de dar nicht dingplichtich is.

Wo man den man in der irsten klage vervesten mach.

 

§ 1

Ungehorsamsverfahren bei Klagen um Gut

Hevet en man geklaget uppe gut to dren dingen, man sal ine dar in wisen unde sal is ine geweldigen; dar ne mut in nieman ut wisen, he ne du't mit rechter klage. Die inwisunge mach die man untreden binnen der jartale uppe'n hilgen, he mut aver dat gut to hant vore stan unde to nesten dren dingen, of man dar up klaget.

§ 2

Ungehorsamsverfahren bei Klagen um Schuld

Klaget man aver umme scult over den, die dar nicht dingplichtig n'is, noch dar to antworde nicht n'is, man sal ime gebieden von gerichtes halven, dat he gelde over virteinnacht, oder die scult mit rechte untrede. Ne dut he des nicht, man sal ine dar vore panden, unde dat pant sal man to borge dun dries, immer over virteinnacht, of man is to borge geret. Negert man's nicht to borge, man sal it halden doch ses weken unverdan; ne untredet jene die scult dar binnen nicht, sint ne mach he se nicht untreden, it ne neme ime echt not. So sal man dat pant vor de scult utsetten, oder verkopen, of man't dar vore nicht gesetten ne mach; wirt dar icht over, dat sal man jeneme weder geven. Brict dar ichtes an, man sal ine aver panden also lange, wente jene sin gelt hebbe.

§ 3

Ungehorsamsverfahren bei peinlichen Klagen

Sve so umme ungerichte vor gerichte beklaget wirt mit deme gerüchte, er it overnachtich werde, mach die klegere dat ungerichte getügen selve sevede, man vervest jenen de't gedan hevet altohant. Is aver die richtere buten sime gerichte, alse dit geschit, so klage he't deme vronen boden in des richteres stat. Hevet he dirre klage getüch des irsten dages, alse die richtere weder in sin gerichte kumt, man vervest jenen, als of de dat des selven dages geschin si.

 

 

Artikel 71.

Wur man des nederen richteres vestinge in de overen bringen mach.

 

Steigerung der niedern Verfestung zu einer höhern

Svene die rechte gogreve vervest, die siner goscap an dat gerichte tiüt, getüget he sine vestinge vor deme greven, he irwirft des greven vestinge over jenen altohant. Süs irwirft ok die greve mit siner vestunge des koninges achte.