B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Ulrich von Liechtenstein
ca. 1200 -1275
     
   



V r o w e n   d i e n s t

E r s t e r   D i e n s t
( 8 - 1 3 8 9 )


Botschaften
(Strophe 354 - 436)


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[ . . . ]

L i e d   V I I
(Bechstein I,129; Lachmann 113,13)

Ein sincwîse, und ist diu sibende wîse

1
     Wê war umbe sul wir sorgen?
fröide ist guot.
von den wîben sol man borgen
hôhen muot.
5
wol im der in kan gewinnen
von in! derst ein sælic man.
fröide sol man durch sie minnen,
wan dâ lît vil êren an.

2
Wir suln tanzen singen lachen
durch diu wîp.
dâ mit mac ein man gemachen
daz sîn lîp
5
wirdet wert, ob er mit triuwen
dienet guoter wîbe gruoz.
swen sîn dienest wil geriuwen,
dem wirt selten kumbers buoz.

3
Mit dem wazzer man daz fiuwer
leschet gar:
vinster ist der sunnen tiuwer.
beidiu wâr
5
sint diu mære: ir hœret mêre.
habt für wâr ûf mînen lîp:
rehten man von herzen sêre
scheidet nieman wan diu wîp.

4
Owê, owê, frouwe Minne,
mir ist wê.
nû grîf her wie sêre ich brinne.
kalder snê
5
müeste von der hitze brinnen
diu mir an dem herzen lît.
kanstu, Minne, triuwe minnen,
sô hilfestu mir enzît.

[ . . . ]
 
L i e d   V I I I
(Bechstein I,141; Lachmann 125,17)

Daz ist ein tanzwîse, und ist di ahte wîse

1
     Wol mich, ez ist ergangen
alse ich lange hân gegert:
jâ hân ich sie gevangen,
von der ich sol werden wert.
5
sît daz ichs in banden hân,
sost mîn bester wan,
sie sül guot an mir begân.

2
Si sol mir fröide und êre,
dâ bî wernde sælde geben:
ode ich muoz immer mêre
sunder trôst in sorgen leben.
5
aller mîner fröiden pfant
unde sorgen bant,
daz stêt allez in ir hant.

3
Swie kleine siez empfinde,
sie muoz mir gebunden sîn.
bant, dâ mit ich si binde,
daz sint al die sinne mîn,
5
herze und aller mîn gedanc,
triuwe an allen kranc,
rehtiu stæte an allen wanc.

4
In mîn vil sendez herze
mitten hân ich sie geleit:
dâ lît ouch al mîn smerze,
dâ lît al mîn klagende leit.
5
den zwein, swie leit ez mir sî,
muoz si ligen bî,
sien getuo mich beider frî.

5
Jâ lâze ich sie wol dingen
schône als ein gevangen sol.
mac sie mir helfe bringen
unde trôst für sende dol,
5
habe ir silber unde golt,
sî mir anders holt:
ich wil wan ir minnen solt.

6
Diu minneclîche guote
und diu werde hôchgemuot,
waz hilfet al ir huote?
siest vor mir vil unbehuot.
5
wie kan sie behüeten daz,
der ich nie vergaz,
ich gedenke ir baz und baz.

7
Ir wîplîch güete machet
in gedanken mich vil frô.
mîn munt von fröiden lachet,
swenne ich mir gedenke sô,
5
daz nie wîp wart mêr sô guot
noch sô wolgemuot.
der gedanc mir sanfte tuot.

[ . . . ]
 
L i e d   I X
(Bechstein I,147; Lachmann 130,25)

Ein sincwîse, und ist diu niunte wîse

1
     Nu schouwet wie des meien zît
gezieret hât den grüenen walt,
und schouwet wie diu heide breit
mit wünneclîchen bluomen stât.
5
die vogel singent wider strît:
ir fröide ist worden manicvalt.
vil gar verswunden ist ir leit:
der meie sie getrœstet hât.

2
Der meie trœstet al daz lebt,
wan mich vil minnesiechen man.
daz herze mîn ist minne wunt:
des muoz ich sunder fröide sîn.
5
ist daz mîn lîp iht fröiden hebt,
daz herze siht mich weinend an
und giht ez sî vil ungesunt:
sô muoz ich lân die fröide mîn.

3
Ein hôhe minne gernder man
mit stætem muote, daz bin ich.
mîn hôhe minne gernde gir
daz herze mîn unsanfte treit.
5
gar reine frouwe, valsches ân,
ein wîbes krône, bedenke dich
genædiclîche noch an mir
durch dîn vil hôhe werdikeit.

4
Si jehent ich solde ûf gotes wege
dîn lop niht singen, frouwe mîn.
sît ez in an mir missehaget,
sô wil ich sprechen mîn gebet.
5
dîn êr hab got in sîner pflege:
sô müez dîn lîp enpfolhen sîn
Marîen der vil hêren maget,
diu nie an iemen missetet.

[ . . . ]
 
L i e d   X
(Bechstein I,150; Lachmann 134,5)

Ein tanzwîse, und ist diu zehende wîse

1
     Wie kanstu, Minne,      mit sorgen die sinne,
den muot betouben mit seneder klage!
in fröiden wâne      bin ich fröiden âne
von dir gar al mîne lebenden tage.
5
an eine stat      riet mir dîn rât
dienen vil schône      mit stæter arbeit,
dâ mir ze lône      geschiht niuwan leit.

2
«Waz klagstu tumber      sô sæligen kumber
den ich durch guot dir gerâten doch hân?
daz dû der guoten,      der reine gemuoten
wærest mit triuwen vil gar undertân?
5
tuot dir den tôt      sô süeziu nôt,
sô senftiu swære,      sô lieplîch getwanc,
wê zwîvelære,      sô bistu vil kranc.»

3
Wil siez bedenken,      sô muoz mich wol krenken
sorge âne trôst, die ich lîde von ir.
jâ sold ir hulde      mîn leit mit gedulde
unde ouch ir güete bedenken an mir.
5
sît sie mîn lîp      für elliu wîp
meinet besunder       von herzen vil gar,
wê durch welch wunder      nimt sie des niht war.

4
«Dûn darft niht sorgen      daz ir vor verborgen
dîn stætiu triuwe di lenge noch sî.
al dîniu tougen      den sint âne lougen
ir ougen, ôren al spehende bî.
5
wirt sie für wâr      an dir gewar
daz dich niht krenket      ein valschlîcher kranc,
vil wol bedenket      dich ir habedanc.»

5
Mac sie vil reine      besunder daz eine
mir ûz bescheiden, waz ir wille sî?
welle ich daz brechen      od immer versprechen
mit ungedulde, sô lâze mich frî.
5
nû trœste mich,      Minne, unde sprich
wie ich nâch swære      trôst an ir bejage
unde ir bewære      mîn triuwe: daz sage.

6
«Mit stætem muote,       mit lîbe, mit guote
mit reiner fuoge, ân alle arge site,
soltu verschulden      die gunst von ir hulden,
daz si dir herze unde lîp teile mite.»
5
sie reine guot,      swie si mir tuot,
sost al mîn êre      mîn lîp und mîn leben
ir iemer mêre      für eigen gegeben.

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