B  I  B  L  I  O  T  H  E  C  A    A  U  G  U  S  T  A  N  A
           
  Ulrich von Liechtenstein
ca. 1200 -1275
     
   



V r o w e n   d i e n s t

E r s t e r   D i e n s t
( 8 - 1 3 8 9 )


Aventiure wie der Ulrich
sinen vinger abe sluog und
sant in siner vrowen
(Strophe 437 - 469)


_____________________________________

 
[. . . ]

« . . .

465
Bot, durch alle triuwe dîn,
nu var ôt aber ze dẹr vrowen mîn
und sage ir, wie ich welle varn.
bit sî ir güete an mir bewarn
5
alsô, daz sî mit willen mir
erlaubẹ, daz ich den dienest ir
diene, als ich doch willen hân.
ob sî daz tuot, dêst wol getân.»

466
Der bot sâ zuo der vrowen fuor,
der des ûf sîn sælde swuor,
daz ich ir diente mîniu jâr
mit triuwen sunder wenchen gar.
5
mîn vart er ir vil rehte saget:
er sprach: «vrowe, ob iu behaget
sîn ritterlîcher dienest niht,
daz ist unbilde, ob daz geschiht.»

467
Sî sprach: «bote, du solt im sagen,
von mir die botschaft niht verdagen.
und ist, daz er die vart getuot,
als dû mir sagest, si ist im guot,
5
im wirt dar umbe ein sölher solt,
daz im di biderben werdent holt,
ob ez im gegen mir niht enfrumt,
an lobe ez im ze staten kumt.»

468
Der bot mit freuden von ir fuor
zuo mir; er vant mich bî der Muor
ze Liehtensteine, dâ was ich.
dô ich in sach, des vreut ich mich.
5
ich sprach: «vil wol gezogner knabe,
sage mir, ob sich wol gehabe
diu herzenliebiu vrowe mîn,
sô wil ich hôhes muotes sîn.»

469
Er sprach: «si ịst schœn und dar zuo frô,
si hât anboten iu alsô
umb iwer vart, ob ir di tuot,
si sî iu endelîchen guot.
5
ob sî iu niht ze staten kumt
gein ir, an êrẹn si iuch gefrumt,
si trœstet iuch des endelîch,
daz ir dâ von wert êren rîch.»