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Kinderschutz im internationalen Kontext

Die Technische Hochschule Augsburg war Gastgeberin eines länderübergreifenden Workshops

 
Die Teilnehmenden des Workshops „National Systems of Child Protection. Policy and Practice in Finland, Germany, Sweden and the Netherlands" mit Tagungsleiterin Prof. Dr. Nicole Klinkhammer (links)
03.07.2023

Wie ist der Kinderschutz in ausgewählten europäischen Ländern organisiert? Wer sind die zentralen Akteure und Organisationen und vor welchen Herausforderungen stehen diese aktuell? Nachdem sich die Studierenden des 4. Semesters im Studiengang Soziale Arbeit im Sommersemester mit fachlichen Grundlagen und Ansätzen des Kinderschutzes im bundesdeutschen System beschäftigt haben, wurden diese Fragen nun in einem länderübergreifenden Workshop „National Systems of Child Protection. Policy and Practice in Finland, Germany, Sweden and the Netherlands" bearbeitet.

 

Prof. Dr. Nicole Klinkhammer, berufen für das Lehrgebiet „Frühe Kindheit und Familie“ und stellvertretende International Faculty-Koordinatorin (AGN), organisierte zu diesem Zweck eine zweitägige Veranstaltung. Dr. Ulrika Levander von der Universität Lund (Schweden), Dr. Floor Middel von der Universität Groningen (Niederlande), Paula Vainikka von der Hochschule Lapland sowie Dr. Susanne Witte vom Deutschen Jugendinstitut aus München referierten zu den unterschiedlichen nationalen Kinderschutzsystemen. Neben den Expertinnen aus Finnland, den Niederlanden, Schweden und Deutschland sowie den Viertsemester-Studierenden aus dem Seminar zum Kinderschutz nahmen auch Studierende aus dem 6. Semester sowie Praxispartner:innen aus Augsburg teil.

 

Ziel des Workshops war es, die im Rahmen des Seminars erarbeiteten Erkenntnisse zum Thema Kinderschutz zu vertiefen und vergleichend in einen europäischen Kontext einzuordnen. Dazu wurden ausgewählte Länder, deren staatlich regulierte Systeme und Akteure sowie vorliegende Forschungserkenntnisse zur Situation im Kinderschutz  –  insbesondere in der Post-Corona-Zeit – in den Blick genommen. Es zeigte sich, dass, trotz der Unterschiede in der Historie, den sozialstaatlichen Organisationsprinzipien und teils den Begrifflichkeiten, die verschiedenen Systeme vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Dazu zählt u.a. die Gewinnung und gezielte Bindung qualifizierter Fachkräfte im Kinderschutz, die Verbesserung der dort vorherrschenden Rahmenbedingungen oder die Stärkung präventiver Angebote für Kinder und Familien. Eindrücklich war zudem, dass es in allen Ländern deutliche Forschungslücken mit Blick auf Kinderschutzverläufe gibt.

 
Dr Susanne Witte from the German Youth Institute DJI
Dr Susanne Witte from the German Youth Institute DJI
 

Der Austausch zwischen Studierenden, Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Ländern und lokalen Praxisakteur:innen aus Augsburg wurde, so ein Resümee des Workshops, als äußert gewinnbringend erlebt. So wurden die herausgearbeiteten wissenschaftlichen Befunde nicht nur anwendungs- und praxisbezogen reflektiert, sondern auch mit Blick auf die Frage, welche Anforderungen die Komplexität des Kinderschutzes an die Hochschulausbildung von zukünftigen Fachkräften der Sozialen Arbeit stellt. Denn in allen Ländern zeigt sich: Dies ist eine der zentralen Fragen, um den Kinderschutz überall nachhaltig zu stärken.

 
Dr. Ulrika Levander von der University of Lund erläutert die Historie des schwedischen Wohlfahrtsstaates für den Kinderschutz.
Dr. Ulrika Levander von der University of Lund erläutert die Historie des schwedischen Wohlfahrtsstaates für den Kinderschutz.
Die Expertin aus den Niederlanden, Dr. Floor Middle, gibt einen Überblick über die Akteure und Prozesschritte im Kinderschutz.
Die Expertin aus den Niederlanden, Dr. Floor Middle, gibt einen Überblick über die Akteure und Prozesschritte im Kinderschutz.