Simon Engel, Carolin Meyer und Kilian Briegel (v.l.n.r)
Simon, Carolin und Kilian (v.l.n.r) waren im Wintersemester 2020/2021 im Praxissemester. (Alle Bilder auf dieser Website wurden vor Beginn der Corona-Pandemie aufgenommen.)
18.02.2021

Anwendungsorientiert ist das Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Augsburg von der ersten Vorlesung an. Doch in diesem Semester haben Kilian, Carolin und Simon über einen längeren Zeitraum eine soziale Einrichtung kennengelernt und das bisher Gelernte vertieft – die drei Studierenden der Sozialen Arbeit waren im Praxissemester.

 

Das Praxissemester ist ein wichtiger Baustein aller Bachelorstudiengänge der Hochschule Augsburg. Die Studierenden haben dort Gelegenheit, ihr theoretisches Wissen sowie die im Studium erworbenen Kompetenzen anzuwenden und durch wichtige praktische Kenntnisse zu ergänzen. So sind sie bestens auf einen Start ins Berufsleben direkt nach dem Studium vorbereitet.

 

Carolin hatte ursprünglich geplant, ihr Praxissemester in einem Berliner Frauenzentrum abzuleisten, musste aber aufgrund der Coronapandemie umdisponieren. In Augsburg fand sie eine alternative Praktikumsstelle. „Die Augsburger Hospiz- und Palliativversorgung war mir schon aus meiner früheren Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin bekannt“, sagt sie. Die Einrichtung ist die richtige Anlaufstelle, wenn es um die Themen Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuung geht. Außerdem bietet sie unter anderem Fort- und Weiterbildungen für Pflegekräfte zum Thema palliative Versorgung und zum Umgang mit Sterbenden an.

Carolin Meyer
 
Kilian Briegel

Für Kilian war schon lange klar, dass er das 22-wöchige Praxissemester in einer Einrichtung der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) absolvieren wollte. „Ich arbeite ja neben dem Studium schon seit einiger Zeit in der Ganztagesbetreuung an Grund- und Mittelschulen und wollte ursprünglich einmal Lehrer werden“, sagt er. Nun sei es für ihn an der Zeit gewesen, sein Wunsch-Tätigkeitsfeld von einer anderen Seite kennenzulernen und sich die Arbeit von Jugendsozialarbeiter:innen an Schulen näher, in Vollzeit und über einen längeren Zeitraum hinweg anzusehen. Jugendsozialarbeiter:innen arbeiten an Grund-, Mittel- und Berufsschulen und selten auch an Realschulen. Ihre Aufgabe ist es, sozial benachteiligte oder individuell beeinträchtigte Schüler:innen bestmöglich zu beraten und zu unterstützen. „Sie sind das Bindeglied zwischen den Kindern und Jugendlichen, deren Familien, der Schule und wenn nötig der Jugendhilfe“, erklärt Kilian.

 

Simon war auf seine Praxisstelle – die Beratung der Drogenhilfe Schwaben – im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Hochschule im vergangenen Wintersemester aufmerksam geworden. Die Einrichtung bietet psychosoziale Betreuungen im Bereich der illegalen Drogen an, berät Menschen mit Suchterkrankungen, verweist diese gegebenenfalls an externe Therapieeinrichtungen, vermittelt sie an spezifische Angebote weiter (z. B. Substitutionsvermittlung) und unterstützt sie bei organisatorischen Aufgaben. Simon absolvierte sein Praxissemester in der Beratungsstelle für Erwachsene, die drogenabhängig oder gefährdet sind. Darüber hinaus zählen Angehörige, Freund:innen und Partner:innen von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung zur Zielgruppe.

Simon Engel

Theoriekenntnisse anwenden und praktische Erfahrungen sammeln

 

Alle drei Studierenden starteten im September in ihr Praxissemester – und das aufgrund der Coronapandemie unter besonderen Bedingungen. Kilian lebte sich schnell in seiner Praxisstelle ein. Seine Tätigkeit war eng an den Schulalltag gekoppelt. „Als Jugendsozialarbeiter:in bezieht man ein Büro an einer Schule, ist aber für einen sozialen Träger tätig“, erklärt er. In Kilians Fall war der Träger die St. Gregor Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, eingesetzt war er in einer Grund- und Mittelschule in Augsburg. In der Anfangsphase war es für Kilian zunächst wichtig, das Lehrerkollegium, die Abläufe und Strukturen der Schule genau kennenzulernen. Er sagt: „Eine gute Kooperation aller Beteiligten ist der Schlüssel für eine gelungene Sozialarbeit.“

Carolin kannte den palliativen Bereich bereits aus ihrer Tätigkeit im Krankenhaus. Im Praktikum nahm sie nun einen anderen Blickwinkel ein und erfüllte neue Aufgaben. Sie beriet unter anderem Menschen, die eine Vorsorgevollmacht erstellen möchten. Darüber hinaus entwickelte sie gemeinsam mit ihrer Praxisanleiterin Schulungen und unterstützte Patient:innen beim Beantragen von Zuschüssen oder einem Pflegegrad. Carolin trug eine FFP2-Maske, wenn sie in Kontakt mit anderen Menschen war, auch wurde sie – wie das gesamte Personal der Praktikumsstelle – regelmäßig auf das Coronavirus getestet. So war es auch weiterhin möglich, persönliche Beratungen durchzuführen.

Generell war die Beratung eine Kernaufgabe in allen drei Praxissemestern – sei es von Menschen mit einem Suchtproblem, für Kinder und Jugendliche oder für Schwerstkranke, Sterbende und deren Angehörige. Simon war zu Beginn des Praktikums in verschiedenen Beratungsgesprächen anwesend, um ein Gefühl für die Arbeit mit den Klient:innen der Drogenhilfe zu bekommen. Nach einigen Wochen wurde er dann zunehmend in die Beratungen mit eingebunden. Dabei wurde er stets von sozialpädagogischen Fachkräften der Drogenhilfe Schwaben begleitet. „Bei der Beratung von Menschen, die drogenabhängig oder gefährdet sind, muss man sehr sensibel und verantwortungsvoll vorgehen. Vertrauen spielt eine sehr große Rolle“, sagt er. „Manche Klient:innen möchten nur alleine mit ihrer gewohnten Bezugsperson sprechen oder es ist ihnen wichtig, dass jemand, den sie kennen, immer im Gespräch mit dabei ist.“ Neben der Teilnahme an Beratungsgesprächen war Simon in die Weitervermittlung von Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankungen an Therapieeinrichtungen mit eingebunden. Zudem unterstützte er die Klient:innen bei alltäglichen Aufgaben, wie zum Beispiel beim Besuch einer Bank oder beim Ausfüllen von Anträgen.

Kilian war nicht nur in die Einzelfallberatung, sondern auch in die Planung, Organisation und Durchführung eines offenen Pausenangebots für die fünften Klassen und in Trainings zum Sozialverhalten und zur Sozialkompetenz mit eingebunden. Gruppenangebote konnten jedoch aufgrund der Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten nur eingeschränkt stattfinden. „Dabei wäre der Bedarf gerade jetzt sehr groß“, erklärt Kilian. „Viele Kinder und Jugendliche, insbesondere aus den Übertrittsklassen, leiden sehr unter der Situation“. Neben der Beratung der Schüler:innen kümmerte er sich auch  – wenn notwendig – um eine Weitervermittlung an oder Einbindung von geeigneten Stellen und Einrichtungen. „Der Kinderschutz steht immer im Vordergrund“, sagt er. „Besteht der Verdacht, dass ein Kind gefährdet ist, berät man sich mit Kolleg:innen und durchläuft gegebenenfalls ein normiertes Verfahren. Eventuell muss man das Jugendamt informieren“.

Mit der Hochschule auch im Praxissemester verbunden

 

Auch die Kommiliton:innen von Carolin, Simon und Kilian hatten spannende Praxisstellen in ganz unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern gefunden – zum Beispiel beim Jugendamt, bei der AIDS-Hilfe, in der Kinderpsychiatrie, im Frauenhaus, in der stationären Jugendhilfe, in der Seniorenfachberatungsstelle und im Jugendzentrum. Vier begleitende Blockveranstaltungen, die verteilt über das Semester stattfanden, dienten der Supervision und Praxisreflexion. Dabei bekamen die Studierenden nicht nur Theoriewissen vermittelt, sondern konnten sich auch untereinander austauschen und über ihre Erfahrungen sprechen. Außerdem standen den Studierenden an der Hochschule Praxisreflexionsdozierende sowie die Zuständigen im Praxisreferat des Studiengangs bei fachlichen und organisatorischen Fragen zur Verfügung.

Fazit und Ausblick: Es geht zurück an die Hochschule

 

Für Carolin, Simon und Kilian war das Praxissemester eine sinnvolle und gewinnbringende Ergänzung zu den vorhergehenden Theoriesemestern. Die drei Studierenden heben hervor, dass das Studium die Basis geschaffen habe, auf der sie nun im Praktikum aufbauen und neue Kompetenzen erlernen konnten. „Ich denke, ich habe von beidem sehr gut profitiert“, sagt Kilian. „Fächer wie Psychologie, Entwicklungspsychologie, klinische Psychologie und Recht haben mich gut auf das Praxissemester vorbereitet, jetzt habe ich viel Neues dazugelernt.“

 

Auch Simon zieht ein positives Fazit: „Es tat gut, nach den vier Semestern an der Hochschule nun in die Praxis rauszugehen. Viele Methoden und Theorien, von denen man im Studium schon einmal gehört hatte, tauchten wieder auf. Es war super, sie nun anzuwenden, Dinge zu üben und sich von erfahrenen Fachkräften etwas abzuschauen“, sagt Simon. Dies gilt insbesondere für den Bereich der Beratung. „Menschen zu beraten ist etwas, das man in einem Seminar nur schwer erlernen kann. Da kam mir die Theorie im Studium bisher zu kurz“, sagt Carolin. „Das Praxissemester hat mir gerade in diesem Bereich sehr weitergeholfen. Ich habe viel dazugelernt, was den Bereich Gesprächs- und Beratungstechniken angeht.“

Simon Engel, Kilian Briegel, Carolin Meyer
 

Das Praxissemester soll den Studierenden nicht nur dazu dienen, praktische Erfahrungen zu sammeln, sondern auch dazu, Berufsfelder kennenzulernen und schon im Studium festzustellen, ob ein bestimmter Bereich für eine spätere berufliche Tätigkeit in Frage kommt – oder auch nicht. Vor allem Kilian wurde in seinen Plänen bestätigt: „Ein Ziel des praktischen Studiensemesters war für mich, herauszufinden, ob meine Vorstellungen vom späteren Beruf der Realität entsprechen – und das tun sie. Es wäre meine Wunschvorstellung, nach dem Studium direkt in der Jugendsozialarbeit an Schulen einzusteigen“, sagt er. Auch Simon und Carolin können sich vorstellen, später in den Bereichen zu arbeiten, in denen sie das praktische Semester abgelegt haben. „Mit der Suchthilfe haben die meisten Menschen viel weniger Berührungspunkte als mit anderen Bereichen der Sozialen Arbeit“, sagt Simon. „Es hat sich für mich daher auf jeden Fall gelohnt, dieses Tätigkeitsfeld kennenzulernen.“ Carolins Erwartungen haben sich ebenfalls erfüllt: „Ich denke, dass mich das Praxisssemester weitergebracht hat auf meinem Weg herauszufinden, wie es weitergehen soll nach dem Studium.“

Kilian, Carolin und Simon haben ihren Einsatz in der Praxisstelle gerade abgeschlossen. Bevor sie im April in ihr sechstes Semester starten, müssen sie noch einen Praktikumsbericht verfassen. Im Sommersemester steht dann das erste Vertiefungsmodul an, im Wintersemester geht es mit der Bachelorarbeit los. Wenn alles planmäßig läuft, dann sind die Studierenden in einem guten Jahr fertig ausgebildete Sozialpädagog:innen. Mit dem Praxissemester sind sie einen großen Schritt in diese Richtung gegangen.