Landrat Stefan Rößle (li.) und Prof. Dr. Thomas Rohrmair beim Pressegespräch im Landratsamt  Donau-Ries in Donauwörth.
Landrat Stefan Rößle (li.) und Prof. Dr. Thomas Rohrmair beim Pressegespräch im Landratsamt Donauwörth.
17.01.2020

Landrat Stefan Rößle, der auch Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule Augsburg ist, freut sich über die gute wirtschaftliche Situation in seinem Landkreis Donau-Ries. Dieser belegt bayern- und deutschlandweit regelmäßig Spitzenpositionen. Gleichzeitig bestehe aber, allen voran im Bereich Innovation noch Verbesserungspotenzial: Hier kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Augsburg ins Spiel.

 

„In Zeiten des digitalen Wandels ist es essenziell, das in der Region vorhandene Know-How zu bündeln und gemeinsam an Innovativen und zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten“, erklärt der Kreischef beim Pressegespräch am Donnerstag, 16. Januar 2020 im Landratsamt Donau-Ries. „Damit die starken Unternehmen unserer Region auch in Zukunft ganz vorn mit dabei sind, werden wir gemeinsam an kreativen und zukunftsfähigen Lösungen arbeiten.“


Wissenschaftler der Hochschule Augsburg stellen sich mit ihrer Forschung dem Digitalen Wandel und erarbeiten innovative Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen im Landkreis Donau-Ries.

Aktuell steht die Wirtschaft in Deutschland vor großen Herausforderungen. Die Digitalisierung krempelt ganze Geschäftsfelder um. Am Technologietransferzentrum in Nördlingen und an dem neu entstehenden Technologietransferzentrum in Donauwörth arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Augsburg daran, den Digitalen Wandel innovativ zu gestalten und suchen nach neuen Lösungsansätzen, Arbeits- und Automationsprozesse flexibler, effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

„Der Landkreis Donau-Ries steht wirtschaftlich hervorragend da. Weltmarktführer im Bereich der Produktion und Automation haben hier ihren Sitz“, erklärt Landrat Stefan Rößle. „Um den Standort weiter wettbewerbs- und zukunftsfähig zu halten, spielt die Forschung der Hochschule Augsburg eine wichtige Rolle.“ Und Prof. Dr. Gordon Thomas Rohrmair, Präsident der Hochschule Augsburg, ergänzt: „Die kleinen und mittelständischen Unternehmen bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Wir forschen aktiv daran, dass die KMUs die digitale Transformation als Chance nutzen, um durch Innovation im internationalen Wettbewerb punkten zu können. Gerade durch die Digitalisierung fällt eine immense Menge an Daten an, die uns helfen können – wenn sie richtig interpretiert und zur Generierung von Wissen genutzt   werden – neue und zukunftsfähige Geschäftsfelder zu erschließen.“

Hier setzt beispielsweise das Forschungsprojekt „ProLogCloud“ am Technologietransferzentrum Nördlingen unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Kerber an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln ein neues Automatisierungskonzept, das die wirtschaftliche Fertigung von Ultraschallsensoren für den Automotive-Bereich in der Region ermöglicht. Über eine umfassende digitale Vernetzung der Arbeitsschritte und der dazugehörigen Anlagen sowie einer integrierten Prozesslogistik kann der gesamte Fertigungsprozess bis zum fertigen Sensor nachhaltig verbessert und effektiver gestaltet werden. „Produktivitätssteigerungen in der individualisierbaren Massenfertigung sind ohne intelligente Prozesslogistiklösungen nicht mehr realisierbar“, erklärt Kerber. Zentrale Idee des Fertigungskonzeptes ist es, die starre Verkettung der Prozessschritte aufzulösen und mittels fahrerloser Transportsysteme eine hochflexible Materialflusssteuerung zu realisieren, bei der für jede Palette von Sensoren der Weg durch die Fertigung adaptiv gesteuert wird. „Die Anforderungen, die hier erprobt und erforscht werden, können zukünftig zusammen mit mittelständischen Unternehmen im Landkreis Donau-Ries weiterentwickelt und auf deren individuelle Anforderungsszenarien transferiert werden“, so Kerber.

Die Reduzierung von Fehlern bei komplexen Produktions- und Automationsstraßen hat das Forschungsprojekt DaSIe unter der Leitung von Prof. Dr. Björn Häckel im Blick. DaSIe steht für Datenbasierte Services für Industrieunternehmen. In dem vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie geförderten Forschungsprojekt kooperieren Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region, um integrierte Entwicklungsansätze für innovative Analytics-Lösungen und datenbasierte Geschäftsmodellinnovationen zu erforschen. Zugleich wird an neuen IT-Sicherheitslösungen zur erfolgreichen Umsetzung von sicheren digitalen Geschäftsmodellen geforscht. „Damit der Standort Deutschland mit anderen internationalen Produktionsstandorten auch zukünftig mithalten kann, müssen wir neben Innovationen im Geschäftsmodell auch die Kosten im Bereich der Produktion senken“, erklärt Häckel. Ein intelligentes Fehler-Frühwarnsystem bei komplexen Automationsstraßen könne hierbei behilflich sein. Mitarbeiter sollen über eine App frühzeitig über mögliche Fehler in der Produktion informiert werden und können so durch die Vorwarnung kurzfristig vor Ort eingreifen. Durch die sogenannte „Remote-Überwachung“ der Produktionsstraße können zudem mehrere Maschinen von einem Mitarbeiter überwacht werden und durch die kontinuierliche Kontrolle lange Stillstände durch eine fehleranfällige Produktion vermieden werden. „Wir arbeiten durch die intelligente Nutzung von Big Data daran, dass ein reibungsloser Produktionsablauf garantiert werden kann, obwohl kein Mitarbeiter direkt vor Ort ist“, erklärt Häckel. Dies führe insbesondere auch zu einer Einsparung von Personalressourcen und einer entsprechenden Reduktion von Personalkosten. Durch diese Einsparungen erhöhe sich die Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend härteren internationalem Kostenwettbewerb, was für den Hochlohnstandort Deutschland von entscheidender Bedeutung sei.

Studiengang Systems Engineering in Nördlingen weiter ausgebaut

Landrat Stefan Rößle freut sich über die sehr positive Entwicklung des neuen Studienmodells Digital & Regional mit dem Studiengang Systems Engineering in Nördlingen. Die Hochschule Augsburg hat nun ab dem 5. Semester neben den bisherigen Schwerpunkten Elektrotechnik und Informatik auch den Schwerpunkt Betriebswirtschaft (Logistik bzw. Projektmanagement) aufgenommen, was dazu führte, dass sich noch mehr Interessenten aus den regionalen Unternehmen angesprochen fühlen. So hat sich die Zahl der Studierenden für das Studienmodell Digital & Regional von 27 im Jahr 2016 (verteilt auf die beiden Standorte in Nördlingen und Memmingen), über 38 (2017), 29 (2018), auf jetzt 45 (2019) erhöht. Besonders erfreulich ist die Zahl der Kooperationspartner, mit denen die Hochschule Augsburg zusammenarbeitet. So sind derzeit im Bereich Nördlingen 55 Unternehmen gelistet, die Studierende entsenden bzw. Interesse an einer Zusammenarbeit haben, im Allgäu sind es 39 Firmen.

Wissensallianz macht die Region zukunftsfähig

Landrat Stefan Rößle betonte: „Die Zusammenarbeit unserer Unternehmen mit der Hochschule Augsburg verbinden Theorie und Praxis und bündeln so das nötige Know-How in der Region.“